beſchämen. Zittre, wenn Du nicht reinen Herzens biſt. Wärſt Du indeſſen redlich geſinnt, ſo ſchicke mir baldigſt eine ſtarke gewappnete Schaar nach, daß ſie mich unter⸗ ſttze. Ich werde nur langſam vorrücken.“
„Du betrübſt mich wieder, Bruder,“ verſetzte Jan, „Gott iſt mein Zeuge, wie ich's mit Dir meine, und die Nachhut von den Tapferſten der Stadt ſoll nicht aus⸗ bleiben.“
In der That verſammelte er auch alsbald mit Hilfe Kuipperdollings einen ſtarken Haufen von Kriegern, Ry⸗ nald und Lüdger zum Ringe unter ihnen. Kaum hatte jedoch Matthieſen mit den Seinigen ſingend und betend — auch beherzter durch die Hilfsanſtalten, die ſie um ſich her ſahen, die Fallbrücke des Lüdgerthors überſchrit— ten, als Jan das Thor wieder zu ſchließen, und den Nachziehenden in den Straßen ſtille zu ſtehen gebot. Die ganze Bürgerſchaft— was nur gehen konnte— wie auch die zwölf Aelteſten der Stämme, beſeßten die Wälle, um der ſeltſamen Waffenthat Zeugen zu ſeyn.
Die weite Strecke der Bollwerke vom Aegidien—- bis zum Servatiusthore wimmelte von Menſchen. Derweilen rückte Matthieſen Schritt fuͤr Schritt an dem Schützen⸗ hanſe, an den letzten Schanzen vorüber in's Freie. Der Tag war ſehr heiter, und auf dem ziemlichen Raume zwiſchen der Stadt und den Lagern Niemand zu ſehen. So kam Matthieſen, fleißig horchend, ob nicht im Rücken des Feindes Gefecht lant würde, und oft umſchauend, ob nicht die verheißene Hilfe aus dem Thore ziehe, bis zu den Trümmern verbranuter Windmühlen, die am Wege ſtanden. Er machte Halt und überlegte mit ſeinen Ge⸗ fährten, ob es beſſer ſey, gerade auf das Lager, worinnen der Oberſt Johannes Coryzer befehligte, zu ſtoßen, oder das dem Aegidienthore näher gelegene Quartier der Meiß⸗ ner zu überfallen. Das letztere ſtand in einer ſandigen Niederung, und kaum ſah man hie und da eine ſeiner


