Teil eines Werkes 
52. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 2. Band (1840)
Entstehung
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geſchätzt. Aber Du glaubſt nicht, wie mir noch jetzt die Ohren brauſen von dem, was ich heute in Peter Frieſens Gaſthof hören mußte. Das ging durcheinander. Die Männer von Münſter reden wie mit feurigen Zungen. Eine böſe Stimmung, Kind; Gott ſchütze unſern Biſchof und vernichte alle Ketzer! Hätteſt Du den heutigen Abendſchmaus bei'm Frieſe mit angeſehen, Du wärſt da⸗ von gelaufen. Der Rheinwein war gut, das iſt richtig, und der Feſtkuchen auch; aber, Angela, mich ſchmerzt noch der Fleck auf der Bruſt, wohin der ungeſchliffene Kippenbrack, der Gaſtgeber, mit ſeiner plumpen Fauſt ſchlug, als er den Kuchen austheilte, und dabei den Wer⸗ keltagsſpaß anbracht:Kleine Stücke, großes Gluͤcke, beſ⸗ ſer iſt der Gaſt als die Küche!*) Freilich iſt der Gaſt beſſer geweſen, als die Kuche. Meiſter Lüdger wiegt Alle zehnfach auf, die heute bei Peter Fries tafelten und zechten; und wenn unſer gnädiger Biſchof mit den Tho⸗ ren einmal in's Reine käme, und einſehen wollte, welch einen Künſtler Meiſter Lüdger zum Ringe vorſtelt, Sang-Pieu, ich wollt' ihm herzlich gerne hundert geſeg⸗ nete Regierungsjahre wünſchen. Biſt Du nun zufrieden, Engelein? Dir fallen ſchon die Augen zu? Der Sand⸗ mann kömmt? Nun, die heilige Mutter wache uber Deinen Schlaf! Auf den Zehen ſchlich der Maler in ſein Gemach, und legte ſich völlig beruhigt zum Schlum⸗ mer nieder.

*) Ehemals gebrauchte Formel bei Weihnachts⸗ und Neujahrs⸗ mahlzeiten in Weſtphalen.

Der Koͤnig von Zion. II.