Teil eines Werkes 
52. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 2. Band (1840)
Entstehung
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mich freite, und der ſich ſo ſchön trug immerdar in neuen zierlichen Kleidern, wie das überhaupt in Braunſchweig Sitte, wurde vom Vater abgewieſen, und dann war mir gleichviel, wem ich mein Jawort gab. Aber ſtelle Dir vor, welch ein Loos mir blüht. Mein Mann iſt noch jung, und wenn nicht ein geſegnetes Unglück ihn von meiner Seite plötzlich nimmt, wie ich alle Tage zu Gott bitte

Du redeſt ruchlos, Eliſabeth, unterbrach ſie Angela mit Entſetzen, und förderte ihre Schritte. Eliſabeth fuhr aber ganz ruhig fort:

Wie ich alle Tage zu Gott bitte... ſo dulde ich vielleicht noch vierzig Jahre an ſeiner Seite alles Leid und alle Mißhandlung, und beſſer wär' es endlich, ich führe vor ihm in die Grube. Denn ſchlöße er mor⸗ gen die Angen, ſo hätte er gewißlich ſchon all ſein Gut und meines verthan, und ich könnte als eine zu Grund gerichtete Wittib die Kaſtenſchlüſſel auf ſeinen Sarg legen, und, einen Strohhalm in der Hand als einzig Erbe, von dannen gehen.*)

Du dauerſt mich in tiefſter Seele, Eliſabeth. Ver⸗ zweifle jedoch nicht an der Vorſehung, und hoffe. Freilich wäre es beſſer, Du hätteſt Dich mit dem Manne Deines Herzens vereinigen können. Eine Ehe mit einem innig geliebten Manne mag wohl ſchön ſeyn. Angela's Buſen flog dabei heftig auf und nieder.

Hm, ſagte Eliſabeth darauf zur größten Verwun⸗ derung des Mädchens,ich habe den Braunſchweiger auch nicht geliebt, er hätte mir nur beſſer gefallen als der lockere Harderwyk. Ich habe eigentlich noch nie ge⸗ liebt, ſetzte ſie hart und bitter hinzu.

Noch nie? Du, Eliſabeth 2 fragte Angela überraſcht,

* Damaliger Rechtsgebrauch, ſobald die Wittwe außer Stand war, ihres Gatten Schulden zu bezahlen.