Teil eines Werkes 
52. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 2. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

ihn des Malers Lochter. Sein ehrwürdiges Geſicht flammte, ſeine gewöhnlich ſo ruhigen und klaren Augen blitzten beinahe feindſelig, und ſeine Stimme bebte vor innerer Bewegung, da er der Geſeuſchaft denguten Abend bot.

Seine Erſcheinung trieb alle Frauen von ihren Seſ⸗ ſeln. Eine jede bot ihm ihren Platz. Er ſetzte ſich je⸗ doch neben Angela, und ſprach, die Wernecke und ihre Freundinnen zur Ruhe winkend:Laßt mich hier, wackere Frauen. Es iſt nichts geeigneter, ein empörtes Herz zu beſchwichtigen, als die Nähe und Nachbarſchaft eines frommen engelreinen Kindes. Wir eheloſe und einſame Leute wiſſen das recht gut, und mir iſt ein ſolcher Bal⸗ ſam um ſo nöthiger, als ich mich in einem Zuſtande fühle, der dem Zorne nah verwandt iſt, und Zorn iſt eine große Sünde, die ich vermeiden möchte. Er lüftete die Krauſe um ſeinen Hals, faltete die Hände, und ſtarrte vor ſich hin. 3

Was hat es denn nur wieder gegeben?2 fragten ei⸗ nige der Weiber halblaut. Der Cuſtos vernahm jedoch die Frage recht gut, und antwortete, immer noch gereizt: Sünden, ihr Frauen, wachſende Sünden. Gott ſegne dieſe Nacht und verzeihe denen, die gerade dieſe Nacht ausgeſucht, ſie mit Frevel zu beflecken.

Erzählt, ſagt uns, hochwürdiger Herr. wir bit⸗ ten Euch riefen Meta und die Tuneckeus.

Du wirſt nun erfahren, was ich gern verſchwiegen hätte, raunte die Knipperdolling der Roſenwirthin zu.

Sibing begann:Ich wäre nicht hier an Eurem Tiſche erſchienen, ſehr würdige Frau, trotz Eurer freundlichen Einladung, mir iſt nicht zu Mutie wie einem, der ſchmau⸗ ſen und ſich beluſtigen möchte. Wohl allen denen, deren Herz noch leicht und dabei unſchuldig; ſie mögen der Freude genießen, wenn auch der Donner über ihnen rollt, wenn auch der Boden unter ihnen bebet. Ich darf nicht