Teil eines Werkes 
52. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 2. Band (1840)
Entstehung
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Sie plaudert gern mit dem jungen Volk, ging mit allen dreien, die gegenwärtig, in die Schule. So. Ein Platz wird freilich immer noch übrig ſeyn, und der bleibe auch für einen Gaſt, den uns der Himmel etwa beſcheert; oder es ſetze ſich darauf ein Engel, unſer Weihnachtsmahl un⸗ ſichtbar zu heiligen.

Es geſchah, wie Frau Wernecke es verordnete. Wäh⸗ rend des Eingangs der Mahlzeit, da von den geſalzenen Fiſchen und den gewürzten Sulzen gekoſtet wurde, die zum eifrigen Speiſen reizen ſollten, blieb die Geſellſchaft ziemlich ſchweigſam. Sobald jedoch die rothe Liſchdecke von der weißen genommen war, und die Gerichte aufge⸗ ſetzt wurden, wonach der Weiber Gaumen am meiſten gelüſtete, die Eierſpeiſen, die ſüßen Leckereien, Backwerk von allen Gattungen, die goldgelbgebratene Gans und das Lamm von Zucker und Manteln, das an dieſem Tage nicht fehlen durfte da belebten ſich alle Zungen auf's Neue. Die Matronen begannen wieder, die Zeit und ihrer Männer Fehler durchzuhecheln; die Jungfrauen, und mit ihnen die ſchöne Eliſabeth, redeten viel und ſchnell von dem Verfall der ſchönen Kleidertrachten, von dem unangenehmen Aufkommen der ſchwarzen und der grauen Farbe an Frauenkleidern, von Gürteln und Schnallen, von Schuhen und Schäplern*). Das Geſpräch zu be⸗ flügeln, gingen die kleinen ſilbernen Becher voll Muska⸗ tellerweins tapfer im Kreiſe; die hohen Pokale, da keine Männer gegenwärtig, ſtanden nur zum Prunke da.

Auf einmal vernahmen die Plaudernden ſchwere aber raſche Tritte über die Treppe herankommen. Die Tafel⸗ runde war plötzlich ſtill. Die Schritte kamen näher; eine vertraute Hand klopfte an die Thüre des Vorge⸗ machs. Angela eilte hinaus, den Beſucher zu empfangen. Der Cuſtos im St. Morizſtifte war's, und kaum erkannte

*) Schäpler, Hütchen, chaperon.