Teil eines Werkes 
52. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 2. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Du wirſt es doch einmal müſſen, liebe Seele. Ver⸗ berge nicht Dein Erröthen, es iſt eine Zierde jungfräu⸗ licher Wangen. Ich meine eben, daß Du bald thun ſoll⸗ teſt, was Du jedenfalls einſt thun wirſt. Suche Dir einen wackern Mann aus. Ein ſolcher iſt in trüben Zei⸗ ten, wie die unſerigen, eine Stütze für das Weib; ein wahrer Herrgott, ſag' ich Dir. Es wird noch böſe kom⸗ men, glaub' mir, Angela. Was nützte Dir in einem all⸗ gemeinen Sturme Dein Vater, der ſelber mit dem Strome ſchwimmt, ein leichter Strohhalm2

Angela betrachtete verlegen die Löwenköpfe an der Lehne des Seſſels ihrer Großmutter, und ſagte zerſtreut: Ich bin noch ſo jung das iſt nicht Euer Ernſt... ich kenne nicht Einen, der mir gefiele... Bei den letzten Worten verſiegte ihre Stimme allmählig.

Sie werden ſchon kommen, meinte Fran Wernecke lächelnd,weiß ich doch ſelber einige recht empfehlens⸗ werthe Jünglinge, die gerne ihr Wort anbringen würden, der junge Kerkering, der als Kaufmann in Hamburg dient und bald wieder heimkömmt, der Elias Redeward, des Mühlmeiſters Sohn, der erbt einmal drei Müh⸗ len. Noch einen ſag' ich Dir, aber ganz in Heimlichkeit und Vertrauen, Heinrich Mennemann, der Luchhändler, ein Vetter vom alten Johannes Mennemann, ein eifriger Katholik; er hat das ſchönſte Haus im Judenfelder Vier⸗ tel als ein freies Eigenthum, und iſt ſchon einmal zum Bierherrn in den Rath gewählt worden, hat's aber aus⸗ geſchlagen. He, meine Tochter 2

Angela entgegnete etwas trutzig:Der Kerkering iſt mir nicht bekannt; einen Müller mag ich nicht, und der Bierherr iſt älter als vierzig Jahre.

In den beſten Jahren alſo, nahm die Roſenwirthin eifrig das Wort,in der Blüthe des männlichen Alters, Du vorwitziges Aefflein von neunzehn Sommern. Neun⸗ zehn Sommer! du lieber Gott! da ſind wir noch oben⸗