ſeinem Hauſe ſo Manches ſprechen und thun, das für eine züchtige Dirne keine Schule der Ehren iſt. Ich will nur von dem abſcheulichen Schwören reden, das er ſich ange⸗ wöhnt hat, wie ein Rabe das Stehlen. Ich will nur von der Ketzerei reden, worein er ſich allgemach zu ver⸗ ſenken ſcheint, wie mir geſagt wird. Das Alles iſt nicht geſund für Dich.“
Angela nickte traurig und verſetzte:„Liebſte Groß⸗ mutter, Ihr habt nicht Unrecht, ob es ſchon nicht ſo arg iſt, als die Leute ſagen. Des Vaters Heftigkeit iſt Euch von jeher bekannt; dabei iſt er jedoch der beſte Menſch. Ich habe ſchon erlebt, daß er einen Bettler zehnmal in einem Athem verwünſchte, und alsdann— kaum war ſein Zorn vorüber— ſeine ganze Baarſchaft dem Men⸗ ſchen hingab.“
„Das iſt das Benehmen eines ſehr unweiſen Mannes. Alles zu ſeiner Zeit.“
„Er iſt aber einmal ſo, Großmutter. Wir werden ihn nicht ändern und müſſen's mit Geduld ertragen. Was nun die Irrthümer angeht, von denen Ihr geſpro⸗ chen, ſo hab' ich freilich mit Leidweſen bemerkt, daß Leute bei uns aus- und eingehen, die, was den Glauben be⸗ trifft, in übelm Geruch ſtehen. Auch offenbare Lutheri⸗ ſche ſind darunter. Ich weiß nicht, was ſie unter ſich verhandeln; aber der Vater hat mir's einmal in die Hand hinein verſprochen, daß er nicht und nimmer von dem wahren Glauben weichen wolle.“
„Ach, die Gelübde leichtſinniger Männer„ was find ſie heutzutage? Lockere Vögel lieben die Verände⸗ rung, ſind ſchwankend, wie das Schilf im Teiche, ſingen heut das Hochamt mit aus voller Bruſt und näſeln mor⸗ gen Ketzerlieder ab. Dein Vater iſt um kein Haar beſ⸗ ſer, als alle ſeines Gleichen.“
„Sagt mir nur, was ich thun ſoll. Ihr werdet doch nicht verlangen, daß ich meinen Vater verlaſſe 2.


