Teil eines Werkes 
52. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 2. Band (1840)
Entstehung
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oft und gern zu der luſtigen Großmutter, die ſo viele und ſchöne Dinge aus älteren Zeiten erzählte.

Nach dem Beſuche ihres Beichtvaters und Freundes, des nunmehrigen Cuſtos im Maurizſtifte, Herrn Hermann Sibing, welcher im Gemüthe der Roſenwirthin als ein Wesweiſer zum himmliſchen Leben allen Erdenkindern voranſtand, war Angela's Beſuch ihr der liebſte. Die emporblühende Jungfrau, ihrer Mutter ſo ähnlich, vom Vater ſo verſchieden, hatte in vollem Maße die Liebe geerbt, die einſt Frau Wernecke ihrer jüngſten Tochter bis zu deren frühem Tode erwieſen. Angela war hier⸗ durch obendrein das Band geworden, das ihre Großmut⸗ ter noch in etwas an den Schwiegerſohn, den Maler Lüdger, zu knüpfen vermochte. Die ſchlichte Bürgerfrau war allerdings nie recht wohl mit dem Künſtler zufrie⸗ den geweſen, weil ſie ſich niemals in ſeine Launen und Sonderbarkeiten hatte finden können. Sie lobte nur zwei Dinge au ihm, daß er Angela's Vater, und daß er nicht zu einer zweiten Ehe geſchritten.

Von dieſem letzteren Umſtande ſprach ſie auch am Spätnachmittage des Weihnachtfeſtes, da Angela vor ih⸗ rem Stuhle im Erkervorſprung ſtand, ihre fetten Hände ſo zärtlich umfaßt hielt und ſo freundlich in ihre Augen ſah, die noch lebhaft glänzten, obgleich ſie vor Alter ſchon vom Blauen in's Graue ſpielten. Sie ſagte bewegt, die gute Großmutter:Es war bieder, daß er Dir keine Stiefmutter gegeben, Engelein. Eine Stiefmutter iſt ein Kreuz für die älteren Kinder, und gewöhnlich ſelbſt dem Wittwer ein ſchlechter Erſatz. Aber jetzo, liebes Schäf⸗ lein, waͤr's bald an der Zeit, Dich zu verändern. Du biſt wohl noch ſehr jung, aber bereits viel zu alt, um in der Junggeſellen-Haushaltung Deines Vaters zu ver⸗ bleiben. Ja, wär' er ein Mann, wie andere! Jedoch in ſeiner Sorgloſigkeit ſpricht und thut er ſo Manches, und läßt er von ſeinen neuen Freunden und Geſellen in