Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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Eſther's Nacken.Wandle ſtets auf dieſer Bahn! ermahnte, ihre Hand ergreifend, die bewegte Edelfrau;ſieh hier mehr als eine Chriſtin! ſprach Dagobert in ſeligem Entzücken zu Regina:ſieh hier eine Heilige! Diether trocknete ſich, halb abgewendet, ſein naſſes Auge, und ſagte:Gott ſegne Euch, ihr armen, verirrten, verblendeten Menſchen, die mir aber Gutes gethan haben, wie Brüder, und die ich ſchier lieben muß, wie ſolche: Sprecht indeſſen! Ihr habt mir den Sohn wieder gebracht, die Luſt meines Alters, ſo wie ſein älterer Bruder der Stolz deſſelben iſt. Ich bin nicht undankbar! fordert meine Habe! hin geb' ich ſie Euch mit Freuden für dieſes Kleinod, das Ruhe und Heiterkeit auf ewige Zeiten unter mein Dach zurückführt. Warum bin ich nicht der Mann, der das römiſche Reich bewacht und hütet? beneidenswerth ſollte Euer Loos ſeyn! Ben David lä⸗ chelte, ſeine Kinder umſchlingend, daß ſeine vernarbten Züge faſt einen angenehmen Anblick gewährten.Ehrſamer Herr! rief er froh bewegt:bin ich nicht ſchon geworden ein ge⸗ krönter König, voll Ehren und Freude? Wer ſiht mich in

der Kinder Mitte, und beneidet mich nicht? Behaltet, Herr,

Eure Gaben, und laßt dafür fallen einen Blick der Gnade

auf einen Armen, der bis jetzt im Winkel geſtanden iſt, wie

einer der nicht zu den Fröhlichen gehört.

Er führte den armen kleinen Hans, der ſich ſchüchtern hinter einen Seſſel gezogen hatte, dem Großvater zu, an deſſen Halſe noch der Wiedergefundne ruhte. Hans hatte die Augen voll Thränen, Schmerz auf den Lippen, und ſeine Händchen falteten ſich bittend.Verſtoße mich nicht, Vater! ſeufzte er:und Du, mein gutes Mütterlein! was hab' ich Dir gethan, daß Du mich nicht mehr anſiehſt, um des fremden