Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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Buben willen, der mir ein bös Geſichte macht? Faſt beſchämt bogen ſich Diether und Margarethe ſchmeichelnd zu der gekränkten Unſchuld hernieder; als aber Dagobert, deſ⸗ ſen Blicken nichts entging, des echten Bruders grollendes auf Hans gerichtetes Auge erſah, da trat er in die Mitte, Regi⸗ nen an der Hand, und ſagte:Was ich einſt gelobte, will ich jetzo halten, ſo Gott mir hilft, und mein redliches Weib⸗ lein einſtimmt. Dieſes Kind eines unglücklichen Bundes, einer Schweſter, die uns haßte und haſſen wird bis zu Ende, es entgelte nicht die trübe Stunde ſeiner Geburt. Mein Sohn ſey Hans, und willſt Du, meine Hausfrau der erſte Sprößling unſrer jungen Ehe! Die liebliche Regina beugte ſich, von Mutterahnung überraſcht, zu dem Knaben nieder, und weihte ihn durch ihren reinen Liebeskuß zu ihrem Sohne. Lobend und glückwünſchend drängten ſich die Eltern um das Paar; Eſther zog aber raſch und ſtürmiſch Vater und Bruder in das Seitengemach.Ich kann, ich darf dieß Schauſpiel nicht wieder ſehen! ſprach ſie mit bewegtem Herzen:ich fühle dann, daß ich nur bin ein ſchwaches Weſen von Staub. In Eurer Mitte laßt mich ſeyn beruhigt und fröhlich in meiner Pflicht, und laßt uns entweichen aus Frankfurt, wo ich nimmer athmen kann Wir gehen, wohin mich ruft eines wackern Fürſten Gnaden⸗ ſtimme, gen Innsbruck! verſetzte froh der Vater, die Hände dankbar gen Himmel hebend:ich bin wieder geworden ein ſchuldloſer Mann, und von mir wird weichen Bann und Mackel; ich halte wieder bei mir den verlornen Sohn, der in Buße und Noth wiedergefunden hat Iſrael. Ich rühme mich einer Tochter, die erkannt hat, daß die Leidenſchaft de⸗ müthiger ſeyn muß, als die Liebe zu dem Herrn, und der