Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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täuſchend ſchimmernd⸗ wie eine Schlange, windeſt Du Dich

zu dem Ziele der Tugend, und fürchteſt nicht, einſt zu be⸗ reuen?Nimmermehr, mein theurer Freund, den ich alſo nennen darf, vor allen, die uns umſtehen! erwiederte Eſther himmliſch lächelnd:So wie wir getheilt haben die Liebe einer abwechſelnd düſtern und roſigen Zeit, alſo müßten wir auch die Reue theilen, und man fühlt dieſe nicht im Be⸗ ſitze eines reinen, ſchönen, tugendhaften Weſens, wie Eure Braut; man fühlt ſie nicht in dem Bewußtſeyn erfüllter Pflicht. Glänzen nicht hier in jedem Auge Thränen der Freude und der Rührung? Zwei Väter, zwei Mütter ſeg⸗ nen meinen Entſchluß, und aus der ſchlechten Jüdin, die, hätte ſie auch erſchlichen durch die Taufe das Bürgerrecht in dieſem Hauſe, dennoch immer darin geblieben wäre eine Fremde, iſt geworden auf einmal eine Freundin, ein Geſchöpf, das man duldet um ſeines Gemüths willen. Ich kann nicht dankbar genug preiſen den Herrn, der mir Stärke genug gegeben, auf mich ſelbſt zu wälzen eine Schuld, um Euch⸗ theurer Herr, zu bewegen, den Schritt zu thun, der, uns plötzlich auf ewig trennend⸗ Eure Sinne zurückführen mußte, in den Kreis der Euern, Euers Standes, Eurer Pflichten. Ich wollte Euch nicht mehr ſehen, und grolite faſt mit dem hochgelobten Gott, daß er mich noch einmal in Eure Nähe geführt, weil ich zu ſtören glaubte, nicht meiner Seele Frieden, der unerſchütterlich beſteht, ſondern Euer harmlos

Erſtlingsglück; allein nun benedeie ich Jehovah und ſein

Geſetz, da ſie mir zum Lohne wieder finden ließen den ſchmerz⸗ lich beweinten Vater! Sie warf ſich entzückt von neuem

an den Hals Ben David's.Liebenswerthes Mädchen 1

rief Margarethe, und umſchlang, das Vorurtheil vergeſſend, 21*