auf Eſthers Angeſichte auf; und ſie ſchüttelte ehrerbietig den Kopf, und beugte ſich nieder vor Ben David, und ihre Lippe ſtammelte:„Bei dem Gedächtniß des Raaf! Ich bin Jungfrau, und unvermählt!“— Dagoberts Hand zuckte heftig in Regina's Hand bei dieſem Geſtändniß, und noch einmal erhob ſich mit Sturmesgewalt eine Bewegung in ſeiner Bruſt, auf welcher ſich der böſe Geiſt, der in den Tiefen ſchlummert, herauf arbeiten wollte, zur Geſchäftigkeit und That.„Du warſt getäuſcht!“ raunte er dem erbleichen⸗ den Bräutigam zu:„Verrathen und betrogen um Dein Le⸗ bensglück! Warum iſt ſie ſchon fern, Fiorilla, die Lügnerin? warum Dir ſo nahe,— unauflöslich an Dich geſchmiedet, die minder als Eſther geliebte Regina? Gibt es kein Mit⸗ tel, zu ändern, was vorgegangen?“— Das Geflüſter des böſen Geiſtes verſtummte jedoch, und zurück wogte die finſtre Welle, auf welcher er gekommen, denn Dagoberts Treue und Männlichkeit behielt den Sieg. Beruhigend und liebe⸗ voll blickte er auf Reginen hernieder, die, von Eſthers Be⸗ kenntniß erſchreckt, mehr denn Dagobert, ängſtlich das Haupt an ſeine Bruſt gelegt hatte, das Auge zu ihm emporge⸗ richtet, als wollte ſie fragen:„Mein Geliebter? wankſt Du nun? bereueſt Du nun? und bin ich die Deine noch⸗ oder ſchon von Dir getrennt?“ Er umſchlang ſie mit der Innigkeit eines wahren und redlichen Gefühls, drückte einen Kuß äuf ihre Stirne, und wendete ſich mit offnem Geſichte zu Eſther, die, in den Armen des Vaters lie⸗ gend; mit wehmüthiger Freunvlichkeit nach ihm herüber ſah.—„Seltſames Mädchen!“ ſprach er, ohne Vorwurf, ohne Bitterleit:„Ich weiß nicht, ſoll ich Dir zürnen, oder Deinem Gedächtniß eine doppelte Liebe ſchenken? Bunt und
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1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
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