und unterwürfig ſich geberdend, einen wichtigen Zweiſprach hielt in hebräiſcher Zunge.
„Eſther! Tochter Ben David's!“ rief Dagobert der Er⸗ wachenden in's Ohr:„Sage, Du hier? Du betrittſt dies Haus?“— Die Augen öffnend, aus welchen die zärtlichſte Liebe auf Dagobert ſtrahlte, erwiederte die Liebliche, reizend ſelbſt in der Bläſſe der Ohnmacht:„Euch, verehrter Herr, ſollte ich noch einmal ſehen; Zeuge Eures Glücks ſeyn ſollte ich; Euch finden mußte ich im Arme der Braut und der wonnevollen Eltern. So wollte es das Schickſal und der hochgelobte Gott, der noch einmal prüfen wollte dies Herz. — Aber,“— ſetzte ſie mit himmliſcher Zufriedenheit auf Stirn und Wange hinzu:„geprieſen ſey ſeine Huld! Ich tann Euch offen ſehen in's Auge, ohne neidiſch zu ſeyn auf Euer Wohl, und gut hat er's gemacht und recht in ſeiner unerforſchlichen Weisheit!“— Wie ſtaunend und ſprachlos auch Dagobert und ſeine junge Gattin an den Lippen der Redenden hingen;— ihr Staunen, ihre Ueberraſchung ſtei⸗ gerte ſich, da Eſther in ihres Vaters Arme flog, der gerade ſeinen wiedergefundenen Sohn geſegnet hatte; denn Ben David ſprach:„Geſegnet ſey der Herr, der meine Augen offen gehalten, daß ich ſehe zurückkehren zu den ſchönen Hüt⸗ ten Jakobs den Verlornen, und preiſen darf das Loos der⸗ ſenigen, die ich liebe, trotz einem Sohne, weil ſie nicht ge⸗ fallen iſt in die Schlingen der Abtrünnigkeit! Iſt mir's je⸗ doch geweſen wie ein Traum, daß man mir geſagt, Du ſeyſt vermählt, mein Kind! wo iſt Dein Mann, Kind, daß
ich ihn ſegne mit den Fingern meiner Hand und dem Spruche
des Gerechten?“— Da blühte das Geſtändniß des größten
Edelmuths, den je ein Weib bewieſen, in Purpurflammen
.


