Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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tönntet, wenn jemals eine Zeit kommen ſollte, in welcher Ihr Euch ſagtet: O⸗ daß ich ſie doch nie geſehen, nie ge⸗ freit hätte! O, daß doch die Andere mein wäre, die ich unſäglich liebte, und die jetzv noch mein ganzes Herz erfüllt! das wäre ein Unglück, lieber Herr, und ich wollte dann lieber des Vetters Schwarzbach Hausfrau ſeyn, von dem ich ſchon am Altare wußte, daß er ſeinen Bärenfänger mehr liebt, als Weib und Kind.Seht doch, welche Grillen, entgegnete Dagobert, ruhig und gelaſſen, und ſah offen und ehrlich dem bekümmerten Weiblein in das ſchwimmende Auge: Dieſe Zweifel thun mir weh: indeß iſt ein Vertrauen des Andern würdig. So wiſſe denn, mein Kind, daß ich nicht von heute, nicht von geſtern an, Dich in meiner Bruſt trage, als eine liebe Freundin. In den Feſſeln einer ſeltnen und ſeltſamen Liebe befangen, hatte ich darum nicht minder Sinn für Deinen Liebreiz, Deine kindliche Anmuth, und ich hatte in der letzten Friſt Mühe genug, gegen mein Gefühl anzu⸗ kämpfen, und die Stimmung zu behaupten, die das Erlö⸗ ſchen meiner thöricht geträumten Glücksſonne in mir erzeugt hatte. Ich floh wohl dann und wann ſogar Deine Nähe, mein ſüßes Kind, und jener Ringkauf an des Goldſchmids Laden war ohne meinen Willen nur vom Zufall, oder der Beſtimmung herbeigeführt. Ich läugne es nicht, daß dabei mein Herz ſchwer verwundet wurde, und gleich darauf, wie ein Donnerſchlag aus heiterm Himmel, kam mir die Kunde, daß ſie, um die ich trauerte, ſich gänzlich losgeriſſen von meinem Herzen und Gedächtniß. Mein Ergrimmen gegen das Geſchehene war vergeblich, unnütz⸗ kindiſch, und meine pflicht gegen den Vater trat vor meine Seele. Ich will

verſchweigen, welchen Eindruck der Beſuch des Wechslers 20*