Joel auf mich machte. Das finſtre, grämliche Geſicht des Buntgekleideten, ſeine flache Einſylbigkeit, beleidigten meine Eitelkeit. Ihn, der nur für das Geld Sinn hatte, das ihm mein Vater hinzählte,— ihn, der ſo kalt und theilnahmlos mir die wenigen Geſchenke wieder reichte, die Eſther einſt von mir empfangen,— ihn hatte ſie mir vorziehen,— dieſen Juden mit ihrer Hand begaben können!— Unwillig entließ ich den Mäckler, gehäſſig dachte ich an ſein Weib zurück; und Deine Schönheit, Deine jungfräuliche Jugend trat, wie durch einen Zauberſchlag, lichtglänzend und ſtrahlend, wie eine Himmelsgeſtalt, vor mich. Mit dieſem Engelbilde beſuchte mich auch mein guter Geiſt, und zu dem Lehrer meiner Kindheit, meiner Jugend, führte er mich mit Sturmgewalt, daß ich durch ſeine Weisheit das Gute vom Böſen unterſcheiden ler⸗ nen, und den würdigen Theil erwählen möge. Ich vermag es nicht, Dir die Worte zu wiederholen, die ſeinem Munde ent⸗ quollen, mir zum Troſte und zur Belehrung. Genug: ich ver⸗ danke ihnen meine Ruhe und die Rückkehr meines heitern Sinns, das Bewußtſeyn, Dich nicht leichtſinnig gefreit zu haben, meine gute, meine liebliche Regina. Johannes hat mich überzeugt, daß Segen und Zufriedenheit wohl nimmer aus dem Bunde zwiſchen Eſther und mir entſprungen wären⸗ hätten beider Herzen ſich auch unveränderlich geliebt. Die Kluft iſt zu groß geweſen, ſelbſt für die Edelſten und Beſten⸗ und ſie überſpringen zu wollen, war nur der Wunſch, die Sehnſucht einer feurigen, rückſichtsloſen Jugend. So habe ich mich denn ſchnell entſchloſſen, mein ſüßes Weib, um Deine Hand zu werben, und mit dem Kranze der Zufriedenheit meiner Aeltern Dach zu zieren. Da ich am Altare ſchwur⸗ war ich fertig mit der Vergangenheit, die freundliche
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1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
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