Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Frau Margarethen, die Frau von Dürningen, und den Pater Johannes gedrängt, der am Morgen die Trauung verrichtet hatte, und nun all ſeine Beredtſamkeit aufbieten mußte, um ſeinen ängſtlichen Zuhörerinnen nur eine Quelle des Tro⸗ ſtes zu eröffnen. In dem Erker ſtand Dagobert, unruhig nach dem Himmel blickend, ob er ſich nicht von Brandgluth röthe, oder niederſchauend nach dem unfernen Liebfrauen⸗ berge, wo die Reiſigen der Stadt ihre Roſſe tummelten und des Lärms viel war. Seine junge Gattin ſtand neben ihm, ſeine Hand in der Ihrigen haltend, und forſchte ſtill und wehmüthig in des Geliebten Antlitz nach dem Zuſtande ſei⸗ nes Gemüths. Da fiel ein Blick der Liebe aus des jungen Mannes Auge auf die Bräutliche, und er ſprach mit zarter Stimme, ihre Wange ſtreichelnd:Sey nicht alſo beklom⸗ men, gute Regina. Es ſcheint zwar ein gewaltig Unheil die Stadt zu bedrohen, oder ſchon betroffen zu haben, aber die Bürger von Frankfurt ſind ein ſtarkes Volk, zuſammen⸗ haltend wie an ſtählerner Kette, und Bruſt an Bruſt zu einer Mauer reihend gegen den gemeinſchaftlichen Feind. Da prallen denn gewöhnlich auch die Pfeile des Unglücks machtlos ab, und Rettung findet ſich in der dräuendſten Ge⸗ fahr. Darum faſſe Muth. So lange mein Arm Dich um⸗ ſchlingt, ſoll Dir nicht Brand, nicht Feind Schaden zufügen. Er umfaßte ſie liebreich, und zog ſie an ſich, die ſich ihm anſchmiegte, wie ein vertrauendes Kind. Sie hob die hellen Augen zu ihm empor, lächelte ſanft, und erwiederte:Bei Euch, lieber Herr, fürchte ich auch nichts, was von Menſchen kommt. Aber, ſollte dieſe unbegreifliche Störung, die unſre Hochzeitfreuden zerſtört, ſollte ſie nicht eine Vor⸗

i ſeyn von mehrerem Unheil, das unſern neuen . 20