Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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heran, denn mit Staunen und Herzklopfen hörten ſie, wie plötzlich, raſch hintereinander alle Glocken auf den Kirchthür⸗ men wach und lebendig wurden, wie die Wächterhörner von den Zinnen blieſen, laut und dringend, wie das Gämper⸗ lein*) läutete, die Schnurre durch die Straßen lief⸗ wie die ¹ Trommel vor dem Quartier der Söldner wirbelte und die Trompete die Reiſigen zu dem Sammelplatze rief. Lichter und Laternen wurden allenthalben ausgeſteckt⸗ in allen Häu⸗ ſern wurde es hell und lebhaft. Die Zünfte, Rotten und Fähnlein der Bürger und Söldner ſtrömten zuſfammen auf ihren Lärmplätzen. Die Bürgermeiſter mit den Bannern, den laufenden Geſellen und den Zünften der Altſtadt, hielten auf dem Samſtagsberge und vor dem Falkenſtein; in der Neu⸗ ſtadt riefen die Hauptleute vor St. Marthen und Katharina. die ihrigen auf. Der Schultheiß jagte zu Pferde wie ein Wüthender zu ſeinen Reitern auf dem Liebfrauenberge, und nach Sachſenhauſen hinüber der Oberſtrichter, um dort den Vefehl zu übernehmen, und die verdächtigen, daſelbſt gela⸗ gerten Aegypter zu bewachen und zu beobachten. Um die 5 Verbindung⸗ mit der Stadt zu unterhalten, blieben die

Brückenthore offen, wiewohl mit Wachen und freiwillig 1 herbeieilenden Bürgern beſetzt; denn es hatte ſich das Gerücht verbreitet, die Stadt ſollte mörderiſch angeſtoßen werden mit

Feuer und Schwert, und jeder zitterte für ſeine Habe, und jeder entbrannte in Begierde, für das gemeine Weſen ſein 6 Schwert zu ziehen. Die vielen Fremden, aus dem Schlum⸗ mer aufgeſchreckt durch das Getöſe und die Beſorgniß ihrer Wirthe, hatten ſich, in Landsmannſchaften getheilt, und

) Sturmglocke; eigentlich viel ſpäter erſt aufgehängt.