der Jude:„Ihr ſeyd grauſam in Eurer Barmherzigkeit.
Was den abſcheulichen Menſchenhandel betrifft, den Du ge⸗
trieben, ſo will der Rath Gnade für Recht ergehen laſſen, in Rückſicht auf die böſe Zeit, die ihr, auf Mord und Raub
beklagt, ausgeſtanden habt, damit nicht geſagt werde, wir hätten Euch ungerecht behandelt. Allein, da es ſich doch nicht geziemen würde, daß ein von einem Betrüger irre ge⸗ führter Richterſtuhl bekenne, daß er ſich übereilte, und die peinliche Rathbank nimmer darauf eingehen wird, ſich gegen einen Juden ferner zu erklären, ſo fiel der Schluß dahin aus, daß Dir zwar die Thüren des Kerkers geöffnet werden ſollen, jedoch ohne öffentlichen Freiſpruch; daß die Dokumente dieſes Handels vernichtet werden mögen, und Du binnen ſechs Jahren verbannt bleibeſt aus dieſer Stadt und ihrem Weichbilde, bei Verluſt der Ohren und des rechten Dau⸗ mens, ſo Du Dich wieder betreten ließeſt, binnen der auf⸗ gegebenen Bannfriſt. Dieſe Pön magſt Du hinnehmen, als Vergeltung für den Kauf eines Chriſtenknaben. Im übrigen danke der Milde des Gerichtes, und entferne Dich noch die⸗ ſen Abend.“—„Herr!“ verſetzte Ben David nach langer Ueberlegung:„Es müßte nicht gelten die Freiheit, wenn ich nicht annähme Euern Antrag. Aber der Bann, der Bann macht mich zum Verbrecher. Mein Haus wird verfallen, Gras wachſen vor meiner Thür, meine Freunde werden mich ſuchen, und fragen:„Wo iſt er hingegangen, daß wir ihn nicht finden? Und meine Tochter, mein Eſtherchen! Herr! ich werde doch nicht können fort.“—„So muß ich Dich mit Gewalt wegbringen laſſen;“ entgegnete der Oberſtrich⸗
ter gleichgültig:„und wehe dann Deinem Kopf und Deiner Fauſt, im Falle des Wiederbetretens.“—„O Herr!“ ſeufzte


