Bruſt des Thurmwärters gerührt, daß er es nicht gewagt, die theure Leiche dem Trauernden zu entreißen, bevor der Befehl dazu gekommen ſeyn würde. Starr und ſchweigend, ohne ſich zu erheben, ſah Ben David in des Oberſtrichters Antlitz, als ſuche er in den Augen deſſelben zu leſen. Die Starrheit ſeiner Züge milderte ſich jedoch, da er nichts als
Mitgefühl in des Richters Blicken wahrnahm.—„Stehe auf, David,“ ſprach derſelbe zu ihm:„Stehe auf, ich will zu Dir reden.“—„Herr;“ verſetzte Ben David:„ich darf
nicht aufſtehen; ſo will es das Geſetz, weil die Erde iſt das Lager der bittern Armuth, und verſchlingt unſern wahren Reichthum. Erlaubt mir, daß ich dem Geſetze folge, und redet zu mir, wie ein milder Herr zu ſeinem Hunde.“— „Steh auf, David;“ wiederholte der Oberſtrichter, mich kümmert nicht Dein Geſetz; und Du magſt es üben an anderm Orte und zu andrer Friſt. Denn Du ſollſt frei ſeyn.“— „Frei?“ fragte Ben David ſtaunend:„Herr! redet Ihr auch wahr und redlich? Schwer iſt die Kette, aber ſie wird ſchwerer als die Welt, wenn man verſprach, ſie zu lüften, und nicht dem alſo thut.“— Ich lüge Dir nicht;“ erwiederte der Oberſtrichter ernſt:„Du ſollſt frei ſeyn.“—„Frei?“ wiederholte Ben David noch einmal:„Hab' ich's doch ganz verlernt, wie man iſt frei. Gehen in freier Luft, ohne Bande, ſchlafen unter freiem Dache, ohne Schmerz und Sorge? Verſteh' ich Euch? und hat der Rath endlich erkannt die Wahrheit?“
„Er hat ſie erkannt;“ ſagte der Oberſtrichter:„der Schurke Zodick iſt flüchtig gegangen, und Werkzeuge ſeiner mörderiſchen Frevel hat man in ſeiner Wohnung gefunden.
Die Wahrhaftigkeit ſeines Schmerzens hatte ſelbſt die rauhe
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