er an dem Bette nieder auf die Knie, faßte die erſchlafften Hände des Sterbenden, küßte ſie und den bleichen Mund unter Thränen und Schluchzen und ſtieß von Zeit zu Zeit ein Geſchrei und eine laute Klage aus, die man im Munde des Weibes, aber nicht auf den Lippen des alternden Man⸗ nes erwartet haben würde. Der Ungeſtüm dieſes Auftrittes, welchem der Oberſtrichter mit Thränen im Auge entfloh, um nach dem Hauſe ſeiner eigenen Trauer zu kehren, und zu überlegen, was ferner zu thun ſey, dauerte eine gute Weile hindurch, und Jochai ſchien dieſe heftigen Schmerzäußerungen als den ſchuldigen Tribut der kindlichen Liebe hinzunehmen. Endlich verſtummte jedoch der allzulaute Jammer in ängſt⸗ liches Stöhnen, und auch dieſes hörte auf, da Ben David das bekümmerte Auge auf Jochai's erlöſchendes richtete, gleich⸗ ſam als wolle er die Augenblicke zählen, die noch dem Ster⸗ benden übrig blieben. Der Greis begann nun mit brechen⸗ der Stimme ein Gebet zu murmeln, in welches der Sohn einſtimmte, und das bald beendigt war. Nun ſprach Ben David troſtlos und zögernd:„Raaf! wirſt Du mich ſegnen,
bevor Du hinweggehſt, oder wird mein Name verflucht ſeyn
von Dir? Raaf! Du haſt mir gegeben das Leben, und ich habe Dir gegeben den Tod; ach! es iſt wahr geworden, was Du geſagt haſt in Weisheit. Du ſtirbſt hin in edomitiſchen Banden, und ich habe es verſchuldet, daß Dein Angeſicht bleich wird außer Iſrael und den Hütten Jakobs!“— „Sohn!“ entgegnete Jochai ſanft:„So Du mir hätteſt Gift gegoſſen in den Leib, würde ich Dir doch verzeihen, nun ich ſterbe, denn wir werden doch theilen das Paradies mit den verderbten Kindern, da wir ihnen nicht entziehen das


