Blüthe ſeines Stammes heimgetragen wurde. Die Morgen⸗ röthe fand ihn neben dem ſtarren Sohne ſitzend, und deſſen Hand in der ſeinigen haltend, und brütend über dem Ver⸗ hängniß. Da nun die Sonne heraufſtieg, und das Trauer⸗ haus eben ſo gut mit Gold bekleidete, wie das Haus der Freude,— da nun der gebeugte Vater ſich erinnerte, daß ſein Schmerz, obgleich der eines Gewaltigen, im weiten Kreiſe der Welt nur ein ſchwacher Punkt ſey, unbeachtet von Allen denen, welchen des Mörders Klinge nicht gleich ihm in's Innerſte des Herzens gedrungen war, da legte ſich die Verzweiflung zur Ruhe, und ein milder Schmerz trat an deſſen Stelle; nicht der nach Rache dürſtende Jammer, ſon⸗ dern der verſöhnliche weinende Gram. Zitternd blickte der alte Mann in ſein Leben zurück, und ſuchte nach einer Wur⸗ zel dieſes Verderbens, das ſein ganzes Geſchlecht dahingerafft, denn der Menſch greift zum Aberglauben, um den leitenden Faden zu finden, den ihm ſein unbewaffnetes Auge nicht zeigt im Leben. Er gedachte ſeines ſtrengen Amts, der vielen Schuldigen, die ſeine Thürme verſchlungen hatten; der wenigen Unſchuldigen, die wieder daraus hervorgegangen waren. Er gedachte jener Vielen, die noch unter der Hand des Henkers ihre Unſchuld betheuert hatten, und quälende Zweifel, ob er auch immer recht gerichtet, ſtiegen in ihm auf. Plötzlich erinnerte er ſich der Juden, die, allen Zeug⸗ niſſen zu Folge, ſchuldlos und unverdient,— höchſtens nur einer leichten Büßung würdig, im Kerker ſchmachteten, und an dieſe Geſtalten des Elends reihte ſich eine andere aus ferner Vergangenheit,. die blinde Mutter, die des Oberſt⸗ richters⸗Vater in die Flammen geworfen hatte, und bis an ſeinen Tod nicht wegbringen konnte von ſeinem Kopftiſſen,
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1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
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