Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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daher, oft von Spießgeſellen unterſtützt, ſeiner Haut derge⸗

Handel fiel auch an dem benannten Abende vor, denn ein

Würfel. Es hatie ſich ſchon häufig, namentlich während der Meſſen zugetragen, daß trügliche Spieler aus dem Fenſter waren geworfen, oder dem Arm des Gerichts übergeben worden, das ihnen nachher zum Lohn für ihre Frevel die Augen hatte ausſtechen, ſie ſelbſt aber in den Main werfen laſ⸗ ſen. Dieſe ſchreckliche Strafe hatte indeſſen die Frevler nicht ausgerottet, ſondern nur ihre Behutſamkeit und Vorſiht vermehrt, indem es doch immer für Abenteurer aus der Fremde eine gar zu lockende Gelegenheit blieb, um leicht⸗ ſinnige Bürgerſöhne, oder übermüthige Prahlhänſe von Jun⸗ tern, oder unerfahrne Kaufleute und Diener zu rupfen, und

um ihr blankes Geld zu bringen. Wurde hin und wieder ein ſolcher Spielgauner ertappt, ſo wußte er ſchon xecht gut, welch ein Schickſal ſeiner harrte, und er wehrte ſich

ſtalt, daß die Rauferei nicht immer zum Vortheil der Recht⸗ haber ausſiel. Der heiße Stein wurde danm oft ein bluti⸗ ger, und nur die öffentliche Gewalt vermochte in der wüſten Spielherberge Ruhe und Friede herzuſtellen. Ein ähnlicher

wälſcher Gaudieb, der ſich über die Meſſe zu Frankfurt ver⸗ weilt hatte, war dem Verbot des Raths zum Trotze, welcher ſelbſt die Würfel an den heißen Stein lieferte, mit eignen aus Welſchland gebrachten Würfeln daſelbſt aufgetreten. Wie denn das Neue immer dem Gewohnten vorgezogen wird, ſo waren die Spielgäſte, junge Brauſeköpfe aus reichen Bürgergeſchlechtern, mit dem Willen des Fremden einverſtan⸗ den, und zwangen den Spielwirth, die ausländiſchen Würfel auflegen zu laſſen. Und alſo ging dann das Rumoren und Geklapper los, und der Italiener ge und gewann, 2*