Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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mogt, Vater; ſagte hierauf der Jüngling, und ergriff

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Du ſprichſt kühn! meinte Diether, der ihm forſchend in's Auge ſah.Ich vertraue auf den Himmel; ant⸗ wortete Dagobert muthvoll:ich bin dem lieben Gott von Herzen treu und hold, und er wird's mir nicht minder ſeyn; darum fürchte ich auch nicht den Schultheiß, nicht den Oberſt⸗ richter, nicht des Prälaten, der hier in's Reſt gezogen iſt, Verläumdungen; auch die heilige Acht nicht, die mich einer Ladung vor ihren Stuhl gewürdigt hat. Diether's Wange ſank von hoher Röthe in die Bläſſe des Todes herab:Un⸗ glücklicher; murmelte er:Du frevelſt. Fürchte jenen Stuhl, vor welchem der Sünde die letzte Larve entfällt, und die Wahrheit ſich aufthut in finſtrer Nacht.

Ich ſcheue die Wahrheit nicht; entgegnete Dagobert feſt: Ich wünſche ſie, mein Vater. Wollte Gott, die unbekann⸗ ten Herren ergründeten ſie beim fröhlichen Sonnenlicht; aber auch um Mitternacht ſtehe ich ihrer Ladung, und morgen ſoll der Frohne nicht umſonſt meiner warten.Du woll⸗ teſt ernſtlich...Soll ich mich verfehmen laſſen, mein Vater, um unter dem Meſſer irgend einer Blindſchleiche der Acht zu fallen, ſonder Gehör und Vertheidigung? Oder wäre das ernſte Gericht im Grunde nur ein Faftnachtsſchwank, den man nur aufführt, ſobald ſich Zuſchauer eingefunden haben; und unterläßt, ſobald kein Menſch ſeine Ohren dazu leihen will, trotz Heroldsruf und Pfeifenklang? Ich halte mehr von dem finſtern Richterſtuhle und will ihm meine Re⸗ verenz nicht verſagen, damit ich vernehme, weſſen man mich eigentlich beſchuldigt hat, und mich rein waſche von der auf⸗ gelogenen Sünde.Eine trotzige Zuverſicht! ſchaltete Diether warnend ein.O, daß Ihr ſie nicht theilen