Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

wehmüthig Diether's widerſtrebende Hand:o, daß Ihr der Erſte ſeyd, der den Stein auf mich geworfen, und der Letzte, der ein offnes Ohr für meine Schuldloſigkeit haben wird! Ich kenne mich ſelbſt kaum mehr, ſeitdem ich geahnt, ſeitdem ich vernommen, was in Euerm Herzen vorgegangen⸗ wie ſich daſſelbe ſo ganz von mir gewendet. Ich bin irre an mir geworden, ich habe meiner Gedanken innerſte Kammer durch⸗ ſucht, und nicht eine Spur von Gottloſigkeit darin gefun⸗ den. Und Ihr der Gerechte zweifelt an meiner Seele, Ihr verdammt mich, während ich rein bin, wie ein hülfloſes Kind! Doch habe ich gegen Euch keine Waf⸗ fen. Im Gegentheile; ich wähle Euch zu meinem Beiſtande vor dem Stuhle zu Sachſenhauſen, und gewiß ſchlagt Ihr mirs nicht ab, mich dahin zu begleiten, wo die Wahrheit ſich aufthut in finſtrer Nacht.

Diether ſchrack ſichtlich zuſammen, und die Vorwürfe ſei⸗ nes Gewiſſens pochten ſo heftig an ſein Herz⸗ daß er kaum eine ängſtliche Weigerung hervorbringen konnte. Dagobert ſah verdüſtert vor ſich hin, ſeufzte, und ſagte:Ihr ver⸗ ſtoßt mich ganz⸗ mein Vater. So muß ich denn allein den dunkeln Weg machen. In Gottesnamen; aber mich betrübt's, daß Ihr mir verweigert, warum Wallrade an meiner Statt ſicher nicht vergebens gebeten haben würde.Nichts von Wallraden! rief Diether ängſtlich und unwillig:Ich

bin nicht ungerecht in der Liebe, die ich meinen Kindern ſchenke. Ich liebte Wallraden, da ich ſie fleckenlos glaubte; aber nun,. ſelbſt gegen den ihr gehäſſigen Bruder ver⸗ theidige ich ſie nicht.Ich haſſe ja Wallraden nicht; ſprach Dagobert ruhig;doch ihrem Haß vermag ich nicht verſchwenderiſche Liebe entgegen zu ſetzen, und darf Euck