Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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der Wetterau wich nun zurück, indem man die der freien Stadt wiederfahrene Beleidigung feſt in's Auge faßte, und eine Stimme nur war's, die aus jedem Munde die Be⸗ freiung der Bürgerin Frankfurts und des fremden Gaſtes forderte. Aber als die Mittel dazu zur Sprache kamen, da waren wieder die Zungen uneins geworden. Die Kühn⸗ ſten riethen zu einem Auszug, wie er im Jahre 1404 gegen Rückingen, das Schloß des Hans von Rudenſcheim, des Marktſchiffſchinders, ſtatt gehabt hatte. Die Vorſichtigern verwarfen die offene Gewalt, die alle Genoſſen des Räubers gegen die von Streitern ziemlich entblößte Stadt anhetzen würde, und ſprachen von Liſt und beſonnener Klugheit. Die Feigen ſchlugen vor, die Hülfe eines benachbarten Fürſten anzurufen; ein Vorſchlag, der den Vaterlandsfreunden, welche jede fremde Einmiſchung in die Händel der Stadt haßten, vollkommen widerlich war, aber demungeachtet einen Streit entſpann, welcher die Berathung der Verſammelten in eine wilde Gährung verwandelte, aus welcher ſich Diether, um mit ſeinem Gram und ſeinen Einwürfen allein zu ſeyn, ret⸗ tete. Aber auch dieſes Alleinſeyn, dieſer Strom von Gedan⸗ ken, den er einſam an ſich vorbeirauſchen ließ, führte ſein Herz nicht zur Ruhe, und er ſuchte ſein Haus auf, um Zer⸗ ſtreuung in der Geſellſchaft ſeines Bruders, ſeines Knaben zu finden. Wie vom Blitze gerührt ſtand er jedoch da, als ihm ſein Knecht Eitel berichtete, Dagobert ſey angelangt, als Vollbrecht, der Knecht des Junkherrn, ihm den Reverenz machend, vorüberging, und Daßobert ſelbſt ihm auf der Stiege entgegen kam. Des Vaters Verwirrung war gränzenlos, und Schreck und Beſchämung knickten ſeine Knie ein, daß er das Geländer der Stiege erfaſſen mußte, um