Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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wankelmüthig, ſo ungleich in ſeinem Wollen iſt der Menſch, dennoch umklammerte er jetzt mit aller Liebe den Knaben. In ihm ſah er jetzt die letzte Stütze ſeines Alters und ſeines Hauſes; im nächſten Augenblicke fürchtete er den Baſtard in ihm zu erkennen. Aber trotz dieſen Zweifeln, trotz dieſem Treiben zwiſchen Vaterliebe und der Angſt eines Getäuſch⸗ ten, hätſchelte und pflegte er den Knaben, da er der Einzige zurückgebliebne, der Letzte ſeiner Lieben war. Margarethens Flucht war ihm entſetzlich, und ſenkte einen nimmer ruhen⸗ den Stachel in ſeine Bruſt. Wo war ſie hingeflohen? Durfte er jemals hoffen, ſie wiederzuſehen? Sollte er bereuen, was er gegen ſie gethan? Sollte er ſich beruhigen mit dem Gedanken, daß er ihr gethan, wie ſie verdient? Aehnliche Zweifel beſtürmten ihn, gedachte er Dagobert's, deſſen Heim⸗ kehr nach der geſchehenen Ladung des heimlichen Gerichts ſich nicht erwarten ließ, da bei dem Namen ſchon der be⸗ ſchloſſenen Acht, der Gerechte wie der Schuldbewußte ſcheu das Kreuz ſchlug, und entwich, wo er nur entweichen konnte. Und Wallrade endlich? War ſie nicht die Beute eines Räu⸗ bers, vielleicht das Opfer des Mords geworden? Und, kam ſie jemals auch in's Vaterhaus zurück, mit welcher Stirne ſollte er ſie empfangen? Mußte er ſich nicht, wie ſie ſich einſt von ſeinem Hauſe losgeſagt, losſagen von ihr, die ihm den Sohn geraubt, ihn der Hülfloſigkeit Preis ge⸗ geben hatte, von ihr, die den Unfrieden verſchwenderiſch in

ſeinen Garten geſät hatte, während ſie doch ſelbſt auf der

Bahn der Schuld geſchritten war, wie nur zu deutlich das Töchterlein bewies, mit welchem die furchtſame Magd ent⸗ kommen war, ehe man darüber völlige Auskunft hatte ſammeln können. Die Zofe hatte auf alle Fragen⸗ die Die⸗