Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Theil (1838)
Entstehung
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Erſtes Rapitel.

Iſt's der Haß, der wehe thut mit ſeinen arimmigen Streichen? Argwohn und Miß⸗ trauen ſchmerzen tiefer, die freſſenden Schlangen.

Das zweifelhafteſte und unſchlüſſigſte Herz, das jemals geſchlagen, ſchlug in des Altbürgers Diether's Bruſt. Die Eröffnungen, welchen er auf dem Rathhauſe beigewohnt, hatten das Gebäude ſeines Argwohns bis zum Grunde er⸗ ſchüttert, aber es nicht gänzlich niederzuwerfen vermocht. Daß nicht Margarethe, daß nicht Dagobert den Mord ge⸗ gen ihn gedungen, daß weder Sohn noch Gattin die geliebte Wallrade geraubt, daß der kleine Hans wirklich ſein, bei Willhild verpflegter Johannes ſey, das war ihm völlig klar geworden; die Bilder ſeiner Hausfrau, ſeines wackern Da⸗ gobert's, trüb und düſter umflort, bisher in dem Hinter⸗ grunde ſeiner Erinnerung verweilend, näherten ſich ihm, heller, glänzender, wie Sterne die das dunkle Gewölb durchbrechen, aber noch immer zweifelte er an ihrer völligen Reinheit; noch immer verſagte er ihrer Unſchuld die vollſtän⸗ dige Anerkennung; noch immer fand er es möglich, daß ein verbrecheriſcher Bund zwiſchen Beiden beſtanden, daß Jo⸗ hannes die Frucht deſſelben geweſen. Und dennoch, ſo