Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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lichen Todtenfeier, ihre Laſter und Verbrechen ſchonungslos zu enthüllen. Und als, nachdem eine lange Stille vor⸗ über, und das darauf folgende Gemurmel der Menge ver⸗ rauſcht war der Oberſtrichter ſie ernſt und mahnend fragte, ob dieſes auch alles wahr ſey, und warum ſie nicht früher dieſen Schurken Einhalt gethan, durch ein offnes Geſtändniß? da antwortete ſie mit wehmüthigem Vorwurf:Ihr vergeßt, ehrſamer Herr, daß es mein Vater und meine Mutter waren, die an der Spitze jener Horde ſtanden. Die, denen ich das Leben verdanke, auf das Rad zu bringen, hätte ich nicht vermöcht, und wenn noch Tauſend unter dem Meſſer des Juden und ſeiner Gefährten hätten verbluten müſſen. Ihr geſtriges Schreckensende hat mich frei gemacht, und ich ſchwöre beim Himmel und all ſeinen Heiligen, daß ich die Wahrheit geſagt habe. Oft habe ich mich angſtvoll auf dem Lager hin und her geworfen, und mit meiner Kindespflicht gerungen, wie Jakob mit dem gewaltigen Herrn. Aber die Verbrecher blieben doch immer meine Eltern. Die Natur hat ein Schloß vor meinen Mund gelegt, und geſtern erſt hat der gnädige Herr es aufgethan mit ſeiner Kraft und unergründlichen Weisheit. Darum verachtet nicht die einfältige Rede, ſo ich geſprochen, und laſſet leben, die da ohne Fehl ſind, und laſſet ſterben den, der den Tod verdient hat. Judith ſchwieg erſchöpft, und ſchlug die Augen nieder vor den dank⸗ baren Blicken, welche die Juden auf ſie richteten. Die Meiſter des Raths ſtanden indeſſen noch mit gefalteten Stirnen in tiefes Nachſinnen verloren, und der Schöffe Diether war der Erſte, welcher die Sprache wiederfand, und ausrief wie

ein von ſchwerem Traum Erwachender:Gottlob! Gottlob!

gräßlicher Argwohn fällt Stückweis ab von meiner Bruſt⸗ Geſegnet ſeyſt Du, muthige Magd, die da eingetreten iſt zu

rechter Zeit! Der Prieſter Johannes wendete ſich an die

Vorſteher der Stadt:O redet ein mildes Wortz ſagte er

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