349
beruchtigte Schenke, deren Grab das dunkle Moor geworden. Die Zuhörer bebten bei dieſer furchtbaren Rechnung, und ſchauderten, als ſie erfuhren⸗ daß in jenem abgelegenen Winkel die Herberge jenen entſetzlichen Mörder geweſen, unter deren Dolchen ſeit langen Jahren die ganze Umgegend ge⸗ zittert hatte. Noch höher ſtieg ihr Abſcheu, da endlich aus dieſem Gewirr von gräßlichen Thaten eine Geſtalt auf⸗ dämmerte, deren Scheußlichteit Alles überbot, was in ge⸗ wöhnlichen Diebskreiſen gefrevelt wird; ein Rieſenmann an Blutgier und Mordſucht. Alle Augen richteten ſich auf Ben David, da Juvith dieſen Hauptmörder anfänglich mit dem Namen;„der Jude,“ bezeichnete, aber alle Augen flogen furchtſam und beſchämt vor dem ruhigen Blicke Ben David's zur Erde, als Judith Zodick's Namen nannte, unnachſichtlich ſedes Bubenſtück enthüllte, deſſen Zeuge ſie geweſen war: als ſie Ben David von jeder Gemeinſchaft mit den Räubern freiſprach; als ſie erzählte, daß Zodick des Schöffen Mord unternommen, daß Zodick den Schmuck der bedauernswerthen Wittib des Burgers von Friedberg um ſeiner Kenntlichteit willen in Ben David's Keller verborgen,— eine That, deren ſich der Niederträchtige nachher noch oft bei Trunk und Scherz gerühmt; daß Zodick endlich die Wurzel des Trug⸗ geſpinnſtes ſey, das Jochai und Ben David bisher im Kerker gehalten. Da ſie nun endlich an die letzte Schreckensbegeben⸗ heit in ihres Vaters Hütte kam,— an das Elend, das dort gewaltet,.. an die Leichen, die der Brand, von den Händen des Ungeheuers entzündet, zu Aſche gebrannt hatte,. da ſchwammen, nicht nur allein in den Augen der Umſtehenden Thränen,„ſondern auch in die ihrigen trat wieder das helle Waſſer, und das Schluchzen machte ihre Stimme verſagen, denn ſie dachte nun ganz lebhaft daran, daß ſie nie auf dem Grabe ihrer Erzeuger ſitzen könne, daß ſie ihrer nie in Liebe
gevenken fönne, und daß ſie gehalten ſep, ſtatt einer kind⸗—
1 2. 23


