34 8— darum los dieſe Juden, denn es iſt kein Fehl an ihnen, und ihr Ankläger allein iſt der Frevel voll, ein geruttelt Maaß.“— „Iſt das Weib wahnſinnig?“ fragte der Oberſtrichter heftig, da der Schultheiß nur Blicke des Staunens hatte: welche aber die entſchloſſene Judith nicht aus der Faſſung brachten.—„Luge iſt Wahnſinn;“ erwiederte dieſe Letztere ſtart:„aber Wahrheit iſt geſunder Sinn. Der ewige Lügner hat Euch angeſteckt; hört mich jedoch an, und Ihr werdet geneſen.“— Das umſtehende Volk, welches ſchon durch die Gaſſen der Stadt der Rednerin gefolgt war, und an jeder Lirchthüre aus ihrem Munde Worte vernommen hatte, deren Sinn und Zuſammenhang es ſich nicht zu deuten wußte⸗ tcwahn nun Ehrfurcht vor der Kühnen, welche mit den Vätern der Stapt eben ohne Scheu und Zuruckhaltung redeit⸗ wie zu ihm; und die Rathsherren, die nach und nach in dem Gedränge ſich einfanden, Bürgermei ſter und Schultheiß an der Spitze, achteten bald die Keberſpannung der melanchv⸗ liſchen Dirne für keine Tollheit mehr, und forderten ſie auf, envlich herauszuſagen, was ſie auf dem Herzen trage.— Dieſe Aufforderung klang wie Himmelsmuſik in Judith's Ohr, und ſie begann freudig:„Euer Wille, edle Herren, iſt mir Gottes Stimme. Perjenige, der mich errettet hat aus den Klauen des unverſöhnlichen Feindes, beweist ſich wieder ſtark und kräftig in dieſer Mahnung, und wird die Sact zur Frucht aufgehen laſſen durch ſein himmliſch Wort. So hört denn zu, wie ich beginne vor allem Volke, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geiſtes!“ Langſam beginnend, aber immer ſchneller vorſchreitend,— immer berediſamer werdend durch die Anſpannung ſeiner Gedanten und Kräfte, entwickelte das muthige Mädchen vor den Augen derer, zu welchen es redete, eine lange Reihe von Gräuelbildern, deren Wiege ihr väterlich Haus geweſen
war, eine traurige Kette von Freveln, deren Schauplatz die
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