Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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Sprache; denn wir wiſſen gar wohl, daß Ihr das Buch Hiob entbunden habt aus den Ketten fremder Zunge, und es ge⸗ legt habt auf die Lippen der Deutſchen*); und auch wir tennen den Mann aus dem Lande Uz, und auch über unſerm Haupte hat geleuchtet die Leuchte des Herrn, und gleich ihm iſt ſie uns ausgegangen in der tiefen Finſterniß, wo wir denn hulflos tappen, wenn nicht eine Freundeshand uns fuhrt, wie die Eure. Der Mönch wollte ſo eben die Lob⸗ rede des Juden unterbrechen, als der Oberſtrichter mit lauter Stimme durch das Gemach rief:Der Thurmer muß in's Waſſerloch. Bei den Wunden des Heilands. Die Dirne entwiſchen zu laſſen. Lieber Freund! Die Zofe des Fräuleins von Baldergrün, wie der ehrſame Schöffe hier die Dirne nennt, iſt entſprungen ſammt ihrem Kinde. Ein neuer Be⸗ weis für des hochwurdigen Vaters Reinhold Angaben; die

Magd hat dem Wetter nicht getraut, und das boſe Gewiſſen

hat ihre Ferſen leicht gemacht.

So komm denn, mein Sohn! ſprach Diether zu dem Kleinen, den er liebreich auf den Arm nahm, indem er dem Pater Reinhold die Hand reichte:Habt Dank, wackrer Mann, für Euern Zuſpruch. Ich will alles aufbieten, die Verlorne wieder zu finden, und bewährt ſich ihre Unſchuld, wie Ihr ſie verbürgt, ſo ſoll ſie wieder die Meine ſeyn, wie ehedem.Lieber Herr, fluſterte Gerhard dem Lehrer Dagoberts zu:Sprecht doch ein Wörtlein zu dem Richter, daß er mich mindeſtens in Stadtgewahrſam verſetze. Ich will zur Stechlanze werden, wenn ich länger die verdammte

einſame Haft aushalte.Sohn, Sohn, ſprach indeſſen

*) Der Predigermönch Johann von Frankfurt hat wirklich das genannte Buch ühertragen.