Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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der Mönch, mit einem Blicke der tiefſten Wehmuth auf die Unglücklichen, die ihre Augen niederſchlugen zur Erde, um der bittern Demüthigung nicht in die Augen zu ſchauen: geſtrenger Herr! Der Buchſtabe nicht und nicht das Wort macht lebendig, denn beide ſind nur ein leerer Schall, wenn ſie der Geiſt nicht belebt. Eben ſo wenig, guter Herr, als unſere Pſalmen, an der Bahre eines Todten geſungen, wieder Athem hauchen in deſſen Bruſt, eben weil ſie todt und ſtarr iſt, eben ſo wenig wird im Glauben derjenige leben, welcher nie im Glauben wandelte. Indeſſen ſetzte er mit einem leichten Uebergange hinzu,will ich nicht an der Bekehrung dieſer Beiden hier zweifeln, da der eifrige Vater Reinhold bereits ſein Werk mit ihnen begonnen, und ſchon die vorige Nacht im Kerker mit ihnen zugebracht.

Jochai ſchauderte zuſammen bei dieſer Vermuthung, und Ben David ſchüttelte unwillkührlich und faſt unmerklich den Kopf. Indem ging die Thüre auf, und der abgeſchickte Rathknecht kam eilig herein, und ging verſtört auf den Oberſtrichter zu, den er geſchäftig auf die Seite zog. Ben David buckte ſich mittlerweile vor dem gelehrten Johannes⸗ und küßte den Aermel ſeines Gewandes, obgleich ihn Jochai von dieſer, eines eifrigen Juden unwürdigen Handlung zurück⸗ zuhalten verſuchte.Ihr ſeyd ein Menſch; ſprach er bewegt, mit naſſen Augen:Der hochgelobte Gott lohne Euch Euer mildes Mitleid, denn Ihr geht einher, wie der Fürſt der Barmherzigkeit. Euch ſind wir keine Fremdlinge, wie unſer Name uns nennt*), und Ihr ſeyd es nicht für uns, weil Ihr achtet unſer menſchlich Angeſicht⸗ und verſteht unſre

*) Hebräer Fremdlinge.