Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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Da ſie wieder kam und mich küſſen wollte, hatte ſie ein roth Röcklein anz ich habe ſie aber doch wieder erkannt.

Wer iſt Dein Vater, Knabe? fragte der Schultheiß plötzlich und ſcharf. Der Knabe ſtutzte ob der heftigen An⸗ rede; aber ein ermunternder Händedruck des Paters an ſeiner Seite gab ihm Muth, und er deutete ſcheu und verzagt auf Diether. Alſo iſt die Gewalt eines liebevollen Herzens, das gleichſam wider Willen von Groll umſponnen wurde⸗ daß der geringſte Anlaß den Geiſt der Liebe wieder darinnen mächtig weckt. Diether erfuhr es in dieſem Augenblicke. Die ſcheue, man möchte ſagen ſtlaviſche Geberde des Kleinen gewann ihm plötzlich die Zärtlichkeit des Alten, weil es demſelben ſchmeichelte, dadurch vor der Welt ſein Recht, das er ſelbſt beinahe im Argwohn aufgegeben, behauptet zu ſchen. Er zog den Buben an ſeine Bruſt, kußte ihn, und rief:Ja,

ja, du armer kleiner Hans! Du ſollſt den Vater nicht länger

miſſen. Bitte nur den Himmel⸗ daß er völliges Licht in dieſe Wildniß von Zweifeln ſende.Das iſt Dein Vater alſo; fiel der Schultheiß ein, welcher gar zu gerne den Knaben auf einem Fehlwort ertappt hätte:Wer aber iſt Dago⸗ bert?..Mein lieber Bruder! erwiederte Hans vergnügt und munter.Und Frau Margarethe?... fuhr der Ver⸗ ſucher fort.Mein liebes, liebes Mütterlein! hieß die

unbefangene Antwort, und der Schultheiß ſprang auf mit

den Worten:In Gottes Namen denn! Selig ſind die da glauben, und nicht ſehen! Diether ſah gehäſſig auf den Unmuthigen, der zum Fenſter trat, und wandte ſich dann zu dem Oberſtrichter und den geiſtlichen Herren.Gewiſſe Vorfälle, ſprach er,die ſich während meiner Tochter An⸗ weſenheit zwiſchen ihr und dem Knaben ereignei⸗ ſo wie die

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