freigeſprochen wird. Mich hat es tief betrübt, da ich hörte, daß auch in dieſer gräulichen Judenſache meines Zöglings Name vorgekommen. Ein teufliſcher Unhold ſcheint ſich ſeit kurzer Friſt Mühe gegeben zu haben, alles Unheil über dem Haupte Dagoberts, des Schuldloſeſten aller Menſchen, zuſammenzu⸗ blaſen, und ſein eigner Vater ſogar hat an die Lügen der Leidenſchaft und des Zufalls geglaubt. Deßhalb habe ich mich aufgemacht von meiner Zelle, um hier ein Wort der Sühne für den Zögling zu ſprechen, der— abweſend— nicht ſelbſt ſeine Sache zu führen vermag; denn ich kenne ſein Herz,— ich habe es gebildet; ich darf— ich kann— ich muß mich für ihn verbürgen.“— Reinhold ſchaute, wäh⸗ rend Diether vor der Hoheit des beredten Prieſters die Augen niederſchlug, den Mann eines verhaßten Ordens, ſcharf an der Seite an und ſprach:„Das mögt Ihr allerdings, ge⸗ lehrter Herr; allein laßt uns im Geleiſe bleiben. Dagobert
3 findet ſeinen Richter in und außer ſich. Hier handelt ſich's
jedoch um andre Dinge: um dieſes Knaben lfahrt, um die Unſchuld ſeiner Mutter.“„Rede, Hans!“ hob nun mit einem tiefen Athemzuge Diether an und nahm den Buben freundlich bei der Hand:„Sage uns ſelbſt, mit eignem Munde, wer Dich davon geführt hat von Willhild.“— Der Knabe ſah ihn fragend an.—„Wer verließ Dich zu Worms?“ fügte der Oberſtrichter bei.—„Ei, die ſchwarze Mutter!“ antwortete das Kind:„ſie hat mich erbärmlich geſchlagen und dann auf der Gaſſe liegen laſſen, da ich ſchlief. Der Mann hier hat mich darauf zu ſich genommen.“ —„Ganz recht, Knabe;“ verſetzte Reinhold:„wer iſt aber die, die Du eine ſchwarze Mutter nennſt?“—„Schweſter WVallrade iſt's,“ entgegnete Hans nach kurzem Beſinnen:


