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Gerhard von Hulshofen, welcher, blaß und abgefallen, kaum mehr zu erfennen war; und im Hintergrunde verweilten noch zwei langbärtige, ſchattenähnliche Geſtalten, Jochai und ſein Sohn David. Frei ging der hundertjährige Vater einher, aber ſchwere Ketten belaſteten die Hände des Sohns, veſſen Blick indeſſen furchtlos war, obſchon die Glieder bebten, vor Schwäche theils, theils vor Angſt. Ganz zuletzt vemerkte Herr Diether an der Hand des Bettelmönchs einen Knaben, ſeinen Sohn.—„Hochwürdiger Herr,“ ſprach er beſtürzt zu Reinhold:„wie kommt der Knabe hieher, und was ſoll er in dieſer Verſammlung?“—„Ihr werdet's ſehen,“ antwortete der Mönch mit finſterm Blick, und auch der Predigermönch ſchwieg mit mißbilligenden Mienen, da der Schöffe an ihn ſich wandte. Der Knabe ſchien an des Beichtvaters Hand nicht furchtſam zu ſeyn; aber den Hüls⸗ hofen betrachtete er mit aufmerkſamem Geſichte und unver⸗ wandt.— Nachdem der Knecht die Thüre verſchloſſen hatte vor dem Andrange des Volks, das in dem Wahne ſtand, die Juden müßten heute zum Flammentode verdammt werden⸗ begann der Oberſtrichter, nachdem er Platz genommen, und dem Schultheiß, dem Schöffen und den Ordensmännern Sitze angeboten, mit feierlichem Tone:„Es ſind oft Dinge vor den Schranken des peinlichen Rechts anhängig, die es nöthig machen, daß man abgehe von der Weiſe des Herkommens und der geſchriebenen Satzungen. So haben wir denn be⸗ ſchloſſen, heut, anſtatt des geheimen und ſtillen Verhors der angeklagten Juden, wobei dieſelben doch immer auf ihrem Läugnen beharren würden, ein offen Verhör anzuſtellen, wo⸗ bei alle diejenigen erſcheinen mochten, die ſchon in der Klage verwickelt ſind, oder zur Aufklärung des Geheimniſſes Theil


