Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Schultheiß mit erkünſtelter Strenge, obſchon es ihn ergötzte, daß Diethers Hoffnung auf ein günſtigeres Ergebniß getäuſcht worden war:Ihr, Hauptmann, hättet beſſer daran gethan, einen verſtändigern Geſellen zum Führer zu wählen, als dieſen breitmäuligen Erzähler, den der rohe Witz eines Gau⸗ diebs dergeſtalt überliſten konnte. Mir thut es leid, fügte er aufſtehend und gegen Diether gewendet hinzu, daß Ihr um nichts gelehrter ſeyd nach dieſem Zuge, und lade Euch ein, von dieſem Handel abzubrechen, da ich Leute nahen ſehe, die unſere Aufmerkſamkeit anderweitig in An⸗ ſpruch nehmen werden.Sogleich; entgegnete Diether ſinſter grollend:Was iſt aber aus dem Leuenberger ge⸗ worden, und dem Weibe, das zu ihm ſich gefunden? Traun, lieber Herr, antwortete der Rottmeiſter verdutzt: Das mögen die Beiden am Beſten wiſſen. Hat ſie nicht der Blitz erſchlagen, werden ſie wohl mit heiler Haut davon gekommen ſeyn.Dummkopf! murrte Diether dem Fortgehenden nach und ſprach dann vor ſich hin:Bleibt mir denn eine Wahl der Gedanken und Vermuthungen? Margarethe war das Weib. und ihr bös Gewiſſen hat ſie von mir gejagt. O, ich ſtehe allein unter entmenſchten Ge⸗ ſchöpfen, gezwungen zu haſſen, die ich liebe, ein verlaſſener, betrogener, mißhandelter Greis!

Macht Euch auf Weiteres noch gefaßt; ſprach der Oberſtrichter ſanft zu ihm, und Diether gewahrte beim Auf⸗ ſchauen das Gemach von Leuten angefüllt, in deren Kreiſe ſich zu finden er ſehr betroffen war. Da waren eingetreten, außer dem Richter in der Amtstracht, der Barfüßermönch Reinhold, der Predigermonch Johannes, berühmt durch ſeine Gelehrſamfeit und ſeines Gemüths Vorzüge, der Edeltnecht