Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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Wallrade richtete ſich ſtolz in die Höhe:Wozu dieſe

Frage? ſagte ſie mit einem Tone, der die arme unſchul⸗

dige Katharine beben machte:Ich lüge nicht. Beruhigt

Dich aber ein Eid mehr, als mein Wort, ſo ſchwöre ich den theuerſten, daß ich Wahrheit ſprach.Und wer... wer iſt die, die er zuerſt umfing, um ſie zu meiden für meinen Beſitz? fragte Katharine, wie von Eiſeskälte geſchuttelt weiter.Die Unglückliche iſt hier geboren, aus edelm Ge⸗ ſchlechte ſtammend; entgegnete Wallrade zögernd:ſogar nahe nahe mit mir befreundet. Ihren Namen, wie den Ort, den ſie bewohnt mit ihren vaterloſen Waiſen, hoffe nicht von mir zu erfahren.O nenne mir ihn! bat Katharine flehend, und außer ſich:Nenne mir das Weib, nenne es!Mit nichten! höhnte Wallrade:Etwa, da⸗ mtt Du, die leidenſchaftlichſte aller Frauen, die ein lodernd

Feuer unter harmloſem Antlitz birgt, die ſtille Zurückgezogen⸗

heit der Aermſten ſtören mögeſt durch Deine Verwuͤnſchungen? O, wie hart urtheilſt Du von mir! verſetzte die Frau von der Rhön:ich habe für ihn, den falſchen Verräther, den ſündigen Mann keine Verwünſchung, und ich ſollte jener zurnen, die früher von ihm betrogen wurde, denn ich? Du ſprichſt gut; antwortete Wallrade gleichgültig:nur Schade, daß Deine Rede gleißender iſt, als die That es ſeyn würde. Das Weib iſt heftiger in ſeinem Haß, als der Mann ſelbſt. Ueberdieß kehrſt Du die Waffen gegen Dich ſelbſt, ſobald Du ruchbar machſt, daß Du den in Bann Verfallnen in verbrecheriſcher Ehe umſchlungen. So wie Du die Sünde mit ihm theilteſt, ſo müßteſt Du auch die Strafe mit ihm theilen. Gelüſtet's Dich, mit geſchornem Haupt und nackten Füßen, die gelbe Kerze in der Hand, vor