Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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Gattin ſtürzte mit aufgelöstem Haar und zerrütteten Ge⸗ wändern zu Wallraden herein.Ich konnte ſie nicht auf⸗ halten! verſicherte die zagend nachfolgende Zofe, da ſie in Wallradens finſterm Blicke den Zorn über die unverhoffte und unwillkommene Störung las. Verweint, bleich, mit wankenden Knieen nahte ſich Katharine dem Fräulein, das durch einen Wink die Dienerin entfernte; ſie ergriff des Fräuleins Hand und ſah ſie mit dem Ausdrucke unausſprech⸗ licher Wehmuth an.Was willſt Du, Katharine von der Rhön? fragte Wallrade hart und abgeſchloſſen.Ver⸗ birg mich vor meiner eignen Schande! ſchluchzte Katha⸗ rine,und nenne den unglücklichen Namen nicht, der mich einſt ſelig machte, und nun meine ganze Zukunft vergiften wird.Wie ſoll ich Dich denn alſo nennen, Unſelige? fragte Wallrade wie zuvor.Hab ich denn mein Recht auf Deine Freundſchaft verloren? klagte Katharine:An Deinem Buſen fand ich Troſt über des Gatten Verluſt, als er mich und ſein Kind ſo ſchnöde verlaſſen hatte; Deinem Zureden folgte ich, als ich unſers gnädigſten Kaiſers Gnade von mir wies, die für meine Zukunft ſorgen wollte. Deiner ernſtlichen Zuneigung vertraute ich, als Du mich aufforderteſt, mit Dir zu ziehen, um des treuloſen, des ge⸗ liebten Flüchtlings Spur zu verfolgen. O, ſteh mir auch jetzt bei in den ſchwerſten Stunden meines Lebens! Hilf mir in dieſem Sturme meines empörten Herzens!Wie ſoll ich? ſprach Wallrade mit Kälte und unverkennbarem Widerwillen.Werde mir nicht fremd; fuhr Bilger's Gattin dringender fort:zürne nicht meiner Scheu, zu glauben, was meine Seele durchſchneidet wie ein Schwert. Iſt es auch ſichre lautre Wahrheit, was Du mir berichtet?