26
der Kirchenpforte zu knieen? Buße zu thun vor den Augen der Gemeinde, und jeden Vorübergehenden um Vergebung anzubetteln im Namen des barmherzigen Gottes und ſeiner Heiligen? Gewährte es Dir Luſt etwa, als Verführerin des ruchloſen Mannes, der, ſich ſelbſt feig der Gefahr entziehend, Dich darinnen umkommen läßt, Dein Leben in einem dum⸗ pfigen Kerker bei Waſſer und Brod zu vertrauern, während Dein Mägdlein im Schlamm der Schande und des Mangels untergeht? Und doch wären dieſes die Folgen Deiner Un⸗ beſonnenheit. Das Geſchlecht der rechtmäßigen Gattin von der Rhön's würde Dich auf's grauſamſte verfolgen. Du wurdeſt unbezweifelt das Opfer ſeyn.“
„Du entfalteſt ein erbärmlich Loos vor meinem Blicke;“ ſeufzte Katharine mit Thränen der Angſt in den ſchönen Augen:„wohin ich ſehe, droht mir Schande. Meinen Na⸗ men wage ich nicht mehr vor einem fremden Ohre auszu⸗ ſprechen.“
„Du mußt ihn auch aus der Welt tilgen;“ forderte Wall⸗ rade gebieteriſch:„Du darfſt nicht mehr nach dem Elenden Dich nennen; nicht Dich, nicht Dein Kind: denn nur jene Erſte führt das Wappen derer von der Rhön mit Recht. Und nicht nur Dein Name, Du ſelbſt mußt aus dem Alltags⸗ leben verſchwinden,— willſt Du ruhig, ungefährdet ſeyn, und Reue üben ob dem Frevel, deſſen Du Dich theilhaftig gemacht.“—
„So rede!“ flehte Katharine:„Rathe! zeige mir einen Weg, der zu der Abgeſchiedenheit führt, die allein mir Heil
bringen kann!“— Wallrade ſchwieg hartnäckig, und erſt
nachdem Katharine alle Bitten der Freundſchaft an ſie ver⸗ ſchwendet hatte, begann ſie ernſt und gemeſſen, wie folgt:


