Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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Spott getrieben. Das Sakrament der Ehe, das der Herr ſelbſt eingeſetzt, hat er mißbraucht, um ſeinen Lüſten zu fröhnen. Ehe er Dich zum Weibe nahm in böſer Argliſt, hatte ihn der Frieſter ſchon mit einer andern eingeſegnet vor Gott.

Halt ein! rief Katharine, entſetzt auffahrend: allein die Unerbittliche vollendete demungeachtet:Die, die er ver⸗ ließ, um Dich zu betrügen, ſchmachtet dahin in Elend und Kummer ſammt ihren Kindern. Und dennoch iſt ſie weniger zu beklagen, als Duz denn Deine Ehe mit dem Verräther iſt Sünde und Schmach: Dein Kind iſt unehelich gezengt in Schuld und Frevel.

Katharine ſank mit einem dumpfen Laut vom Seſſel zur Erde, und mitleidige Ohnmacht ſchloß ihr Auge. Aber das Mitleid ſtand an ihrer Seite nicht. Wallrade leiſtete ihr keine Hülfe, ſondern lächelte tückiſch in das Unglück, das ſie angerichtet. Mit grauſamem Uebermuth heftete ſie die wilden Augen bald auf das arme Weib zu ihren Füßen, bald auf deſſen, in weichen Kiſſen ſchlummerndes Kind. Grimmiges Rachgefühl verzog ihr Geſicht, hob die kühn arbeitende Bruſt. Die Hände ſchlug ſie befriedigt zuſammen, und murmelte höhnend zwiſchen den Zähnen:Der Streich iſt geſallen! Faſt ſtehe ich am Ziele. Er, flüchtig wie ein Aechter; ſie, losgeriſſen von Allem, in meiner Gewalt: ſein Kind mein Opfer, wehrlos hingegeben meiner Vergeltung! So mußte es kommen. Leben muß er zu ſeiner Qual, und wenn auch die kühnſte Verzweiflung ihn wieder zum verlaſſnen Herde triebe, verſtohlen, um jeden Preis ſeine Lieben noch einmal zu ſehen, die Stätte öde finden, und nicht wiſſen, wo ſie athmen, die ihm theuer ſind. Vergehen muß er nun lang⸗ ſam in fruchtloſem Jammer; vergehen muß aber auch ſie an