werthe Flüchtling ſich gewendet;— hier verliert ſich ſeine Spur, dem Anſcheine nach; allein Du haſt mir nähere Aus⸗ kunft zugeſichert, durch Deines Geſchlechts und Deiner Freunde vielſeitige Verbindungen. Verſäume nicht für mich zu han⸗ deln. Ich, die Verlaſſene ohne Verwandte, ohne Güter und Freund, vermag es ja nicht.“
„Was ich gelobte, habe ich nie verſäumt;“ erwiederte Wallrade:„ich habe für Dich gehandelt; ich habe Aufſchluß erhalten auf mein beharrliches Forſchen; ich muß Dir nun, ſo wehe es mir thut, mittheilen, was ich aus der reinſten Quelle geſchöpft; denn Deine überſpannte Sehnſucht, Deine auf's höchſte gereizte Leidenſchaft für einen Treuloſen, der Dich verließ, muß geheilt werden, ſey es auch durch das läuternde Feuer des Grams.“—
„Gott! was werde ich'hören!“ ſeufzte Katharine in banger Erwartung, die Augen ſtarr auf das unheilverkündende Antlitz Wallraden's geheftet, welche hart und ohne Rührung fortfuhr, Streich auf Streich gegen das kindlich wehrloſe Herz der Un⸗ glucklichen zu führen.—„Nimmer wirſt Du ferner den Schänd⸗ lichen ſchauen;“ ſprach ſie:„nach Frankreich iſt er gezogen, um unter franzöſiſchen oder engliſchen Fahnen ſein Blut zu verſpritzen. Nicht des Kaiſers Zorn ſcheuchte ihn aus den Gemarken ſeines Vaterlandes, ſondern die Furcht vor der Rache Gottes und ſeiner Kirche. Er liegt im Bann.“
„Herr des Himmels!“ ſchrie Katharine auf:„Im Bann? Was hat der Unglückſelige gefrevelt? Was hat ihn in die ewige Verdammniß gebracht? O rede, rede, Wallrade?“
„Du forderſt mich auf, den größten Jammer Dir nicht länger zu verhehlen;“ verſetzte das Fräulein:„der Herr von der Rhön hat mit Gottes heiligſtem Gebote ſeinen verfluchten


