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ſchwunden,— eine kurze Zeit für Seelen, die ſich lieben,— eine lange für ſolche, die bloß das Band verhaßter Form verknüpft, als Wallrade aus dem Vaterhauſe unmuthig und düſter nach ihrer Wohnung im Einhorn zurückkehrte. Ver⸗ drüßlich beurlaubte ſie den abgeſchmackten Herrn, der durch eine weitläufige Vetterſchaft das Recht gewonnen hatte, ihr als Begleiter auf dem Heimwege läſtig zu ſeyn. Verdrüßlich trat ſie in ihr Gemach, wo ihre Begleiterin in tiefen Ge⸗ danken verſunken, am Fenſter ſaß.—„Gute Wallrade,“ ſprach die Letztere, die Eintretende froh begrüßend:„Wie freue ich mich, Dich ſchon ſo frühe bei mir zu ſehen. Mich quälen heute ganz abſonderliche Grillen.“—„Wie ſo?“ fragte Wallrade entgegen.—„Der ſchöne Nachmittag hat mich verlockt, mit meiner Kleinen in's Freie zu gehen;“ antwortete die andre:„Wir haben die geräuſchvollen Straßen durchſtrichen, und ich erging mich einmal wieder im warmen Frühlingsſchein. Meinen Kummer hatte ich mir durch Zer⸗ ſtreuung erleichtert;— aber auf einmal wurde er verdoppelt in ſeiner Laſt. Plötzlich war mir's, als ob ich unter dem Gewühle der Menſchen meinen armen Rudolf erblickte. Du glaubſt nicht, Wallrade, welchen Eindruck der grüne Rock auf mich machte, den ich unfern von mir durch das Ge⸗ tümmel ſchimmern ſah. Wie eine aufgeſcheuchte Taube machte ich mir Bahn, und flog dem rüſtig Dahineilenden nach. Rudolf! rief ich in meinem Wahn, Vater! lallte mein Mäd⸗ chen, als ob es meinen Schmerz theilte. Der Mann ſah ſich um,— und ich gewahrte ein kaltes, fremdes Geſicht. O⸗ wie hatte ich mich getäuſcht!“— „Und wie ſehr verdienteſt Du dieſe Lauſchung!“ erwiederte Wallrade hart:„Verbot ich Dir nicht, Dich in der Stadt


