Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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gleich ein rothes luſtiges Gewand trägt. Sie will uns arm machen, daß wir betteln gehen ſollen, wie der arme Hug, dem Du alle Samſtag ſeinen Heller an die Pforte bringſt. Denk Dir nur! Je weniger Du ſie aber leiden kannſt, je weniger vermag ſie uns anzuhaben.Ich will ihr aus dem Wege gehen, verſicherte der kleine Hans treuherzig:Du mußt mir auch dagegen nichts thun laſſen.Sorge nicht, mein Kind! tröſtete Margarethe.Ich will Dich hüten wie meinen Augapfel. Folge nur fein meinen Geboten, und es wird alles gut gehen.

Es ging guch alles nach ihrem Wunſche. Knabe und Stieftochter blieben einander ferne, weil ſie ſich nicht ſuchten. Diether, der, von Gatten⸗ und Vaterliebe gleich bedrängt, in ſeiner unwandelbaren Gutmüthigkeit beſtändig hoffte: die Mißtöne ſeines Hauſes würden ſich endlich doch noch in den gewunſchten Einklang auflöſen, vermittelte, entſchuldigte, ſprach zur Sühne, wo und wie es ſich nur thun ließ, und erhielt auf dieſe Weiſe einen Schein von Friedlichkeit im Hausweſen, welcher bald genug die ganze Stadt täuſchte, den nahen Ver⸗ wandten⸗ und Freundekreis nicht ausgenommen. Wallrade,

die man geraume Zeit zu Frankfurt vergeſſen hatte, gewann

nun neue Theilnahme durch ihr muſterhaft ſittſames Betragen, und durch die reuevolle Verſöhnlichkeit, mit welcher ſie, nach Diethers jubelvoller Behauptung, den Eltern die Friedens⸗ hand gereicht hatte. Der Altbürger, von den Glückwünſchen ſeiner Freunde geſchmeichelt, ſchwamm in einem Meere von Entzucken, und gewahrte in ſeiner Herzensfreude nicht, wie zwiſchen Wallraden und Margarethen die Kluft immer größer wurde, und zwiſchen Schweſter und Brüderlein dennoch keine Annäherung ſich ſtiften wollte. Eine Woche war alſo hinge⸗