13
Zeichen Eurer aufrichtigen Freundſchaft anſehen, ehrſame
Frau, wenn Ihr mir, ſo oft ich des Vaters Haus beſuche,
den Anblick des ungeberdigen Stiefbrüderleins erſpart.“—
„Soll gerne geſchehen, verlaßt Euch darauf;“ verſetzte Margarethe gekränkt, und beſchäftigte ſich damit, die Haare des kleinen Hans unter dem Sonnenhütlein zu ordnen, das ſie ihm aufſetzte,— damit ein Zeichen zum Aufbruch gebend.
„Das wird ja alles werden;“ ſprach Diether begütigend: „Was läßt mich aber Deine Rede muthmaßen, liebe Wall⸗ rade? Du gedenkſt nicht zu wohnen in meinem Hauſe?“
„Nein, mein Vater!“ antwortete das Fräulein beſtimmt: „Ich bin ſeit Langem gewöhnt, in meiner Behauſung Herr zu ſeyn; und meine Gewohnheiten könnten Eurer Ehefrau läſtig ſeyn, ſo wie mir vielleicht ihre Hausordnung. Daher habe ich's für gut erachtet, in der Herberge zum Einhorn abzutreten. Dadurch erſpare ich uns allen manche Unan⸗ nehmlichkeit, die um ſo überflüſſiger iſt, als mein Aufenthalt zu Frankfurt nur von kurzer Dauer ſeyn kann.“— Diether wollte ſein Bedauern nicht verhehlen, und der Tochter zu⸗ reden, aber Margarethe unterbrach ihn ſchnell.
„Es ſey fern von uns,“ ſagte ſie hitzig:„des Fräuleins Willen beſchränken zu wollen, und darum geſchehe nach ihrem Wunſche, aber die Freude, Euch an unſerm LTiſche zu be⸗ wirthen, werdet Ihr dem Vater doch nicht verſagen?— Der arme, kleine, ungeberdige und tölpelhafte Johann ſoll nie durch ſeine Gegenwart ſtören.“—„Ihr verbindet mich immer mehr, gute Frau;“ erwiederte Wallrade in gleichem Tone: „und damit Ihr von meiner Bereitwilligkeit überzeugt werdet⸗ ſo fordre ich Euch ſelbſt auf, nach der Stadt zu kehren. An
meines Vaters Seite ſitzend, will ich ihm vom Ohm erzählen,
2. 2


