Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
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Wirklich ſchien es auch, als ob der Knabe ſich begütigen wolle, denn ſeine Aengſtlichkeit verlor ſich nun ſo ziemlich, und er heftete dann und wann die blauen Augen aunend auf das reiche hellfarbige Gewand Wallradens, und auf ihre mit blitzenden Ringen gezierten Finger. Auf alle Fragen⸗ Ermahnungen und tadelnden Reden der Eltern erwiederte er nichts; jedoch in demſelben Augenblicke, als man ihn zu vermögen gedachte, zwiſchen Margarethen und Wallraden niederzuſitzen, erſtand wieder die vorige Furchtſamkeit in ihm, und er ſuchte abermals in Margarethens Schvoß Zu⸗ flucht, wie vor einer Gefahr.Man hat dem Buben ohne Zweifel angenehme Dinge von mir berichtet; begann Wall⸗ rade mit beleidigtem Stolze:wenn ihm die Schweſter als ein Schreckgeſpenſt geſchildert wurde, ſo muß er ſie freilich fliehen, wie die Sünde.Ei, erwiederte Diether:das hat meine Hausſran ſicherlich nicht gethan, darauf wollte ich ſchwören.Mein werther Herr dürfte es auchz be⸗ träftigte Margarethe mit geſteigerter Empfindlichkeit:Der Knabe hörte kaum des Fräuleins Namen nennen⸗ Ich wollte wetten, er hat vergeſſen, daß er eine Schweſter hat. Uner⸗ wartet kam ihm daher deren Anblick; wenn wir nicht an⸗ nehmen wollten, ſetzte ſie wie im Scherz hinzu, obgleich der Ernſt hinter ihrem Lächeln lauerte,daß Kinder eine richtigere Ahnung haben, denn die Erwachſenen, ob man ſie von Herzen liebt, oder ihnen nur des Herkommens wegen

Liebkoſungen erweist.Das letztere möchte ſeyn; ent⸗

gegnete Wallrade raſch und kalt:Ich muß bekennen, daß ich Kinder dieſes Alters nicht liebe, wären ſie auch die Söhne meiner werthen Stiefmutter. Die Tölpelhaftigkeit der Buben iſt mir in der Seele zuwider, und ich werde es als ein