Teil eines Werkes 
1. Band, Der Jude : deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Theil (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

ich ſie nie gefühlt, ſeit ich zum Erſtenmale freite, hat mir's angethan, und den Wunſch in mir erregt, Alle, die mir nahe angehören, um mich her verſammelt zu ſehen: den Bruder, den Sohn, und. ach ja. und auch die Tochter, obgleich ſie ſich von uns geſchieden hat mit Vorbedacht. Seht, Mar⸗ garethe, auch um deſſenwillen muß ich Euch danken. Wall⸗ rade hat Euch ſchwer beleidigt, und dennoch tratet Ihr nicht zwiſchen ſie und mein Verlangen.

Die Jahre werden viel geändert haben; erwiederte Diethers Gattin ſanft:Damals wollte ſie nicht meine Tochter n jetzt würde ſie vielleicht meine Freundin.

O gewiß; bekräftigte Diether:die Zeit macht milder, wie das Sprichwort heißt. Aber wehe thut mir's, daß bis jetzo auf mein redlich Schreiben weder Antwort kam, noch der herzliebe Beſuch von den Dreien, die ſich zu Koſtnitz plötzlich zuſammen doch gefunden. Ich hatte mich darauf gefreut wie ein Kind. Ich hatte mir alles ſo ſchön und heimlich ausgedacht, wie ich Wallraden die liebe wider⸗ ſpenſtige Tochter in Deine Arme führen wollte; wie ich den zu unſerer Wonne ſo glücklich geſundeten Sohn an der Geſchwiſter Bruſt gelegt hättez. aber meine Freude fiel in den tiefſten Brunnen. Noch am verwichnen Sonntage zupfte es mich an allen Nähten, und eine falſche Ahnung flüſterte mir zu: heute, ja, heute kommen ſie ganz gewiß. Schier hätte ich mich auf die Heerſtraße tragen laſſen, um ihnen in die Ferne entgegen zu ſehen. Der alte Thor hätte ſich aber blind geſchaut. Dem Greiſe verſagen ſich die, die er liebt.

Habt Ihr denn nicht uns? fragte Margarethe mit

ängſtlicher Freundlichkeit, und hob den Knaben, der ſich