31 zu ihm, mein Herr! ich kann nicht eine Viertelſtunde länger leben, ohne ihn zu ſehen!“
James führte ſie, und verſuchte, ſie auf die Nachricht von der Abweſenheit des Senators vorzubereiten. Die lebhafte Jungfrau hörte indeſſen nicht auf ſeine Worte. Vergnügt, und mit ſtrahlendem, Alles umfaſſendem Blick wendete ſie ſich im Gehen nach allen Seiten. Das mannigfache Grün der Cedern, der Palmen und Tamarinden, in welchem die gel⸗ ben Dächer der Colonie lagen,. bildete eine erquickende Ausſicht. Der zarte Raſen des Ufers war ein ſanfter Tep⸗ pich, die Blüthen oder Früchte an Hecken und Geländen ſchmückten den Weg, und neugierig folgten die Weiber und Kinder, die noch nie an ihrem Wohnorte eine Europäerin geſehen, der lieblichen Geſtalt. Juſtine war größer und voller geworden, ausgeprägter ihr Geſicht, ſchöner und feu⸗ riger ihr Auge, entſchloſſener ihre Hältung, ausdrucksvoller ihre Geberde; frei und zierlich ihr Gang, wie der der Lai⸗ nez. Neugierig aber freundlich betrachtete ſie das mitzie⸗ hende Volk, grüßte, lachte mit den Kindern, ſprach mit ihnen, erhielt aber von den Nichtverſtehenden unverſtändliche Worte in den Kauf. Endlich war das Pfarrhaus erreicht, endlich ſtand Juſtine unter der Thüre deſſelben. Ihr Herz ſchlug ängſtlich; ihr Mund öffnete ſich, den Vater zu rufen. Pater Münzner erſchien. Juſtinens Züge verdunkelten ſich.— „Seyn Sie willkommen, geehrteſte Tochter meines Freundes!“ ſagte Münzner, der dieſen Eindruck wohl bemerkte:„ich wünſchte Ihnen im erſten Augenblicke angenehmer zu ſeyn.“
„Das iſt nicht möglich, und auch nicht nöthig;“ entgeg⸗ nete Juſtine ernſthaft und entſchieden:„Ihr Anblick, mein Herr! erinnert mich an zu Viel. Erlauben Sie, daß ich


