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Pferd, und nicht mehr die Mutter, ſondern ich lag in einem lleinem grünen Walde, wie in einem Korbe, und die feinen Spitzen des Waldes gingen hoch über mir, wie ein lichtes Dach zuſammen. Die Sonne ſchien ſanft und gelb hindurch, und ein leichter Wind bewegte das Dach, daß es ſich ab⸗ wechſelnd aufſchloß, um mir in aller Höhe den blauen Himmel zu zeigen, bald ſich wieder zuthat, mich in die grüne Ein⸗ ſamkeit zu verſenken. Ich ſchrie, trotz meinem Behagen, denn die Mutter fehlte mir. Da raſchelte es ſeitwärts neben mir, und durch die Halmen des Waldes ſtreckte ſich ein neu⸗ gieriger beweglicher Kopf von einem wunderſchönen Thiere, gefleckt, geſtreift, in allen Farben glänzend, und ich wußte damals nicht, daß eine böſe Schlange mich anſah, und ſtreckte ihr ſpielend die Hände entgegen. Der Kopf zitterte, als ob er zaudernd witterte, immer näher, erreichte mich faſt, und fuhr dann plötzlich zurück, mit einem pfeifenden Schrei. Ein großer Schlangenleib warf durch dieſe Bewe⸗ gung eine ſeiner Windungen auf meinen Leib, riß ſich in⸗ deſſen ſchnell und kräftig ins Grüne und verſchwand wie ein Pfeil. Dafür kamen andere Gäſte lärmend und brüllend einhergejagt, wie ein Sturm, und mit einemmale ſah ich über die Spitzen des Waldes ein breites gehörntes Haupt herniederſchauen. Ich glaubte die Heerde des Vaters in der Nähe, und ſchrie ſo laut, als der Stier brüllte, und— nicht lange,— ſo ſtand ein dichter Kreis von ſolchen Thie⸗ ren um mich herum, und glotzte mich hülfloſes Kind an, das ſich an einer Staude emporrichtete, und furchtſam die unbe⸗ weglichen Thiere betrachtete. Da fand mich der Ochſenhirte von Roſario, hob mich auf, und brachte mich dem guten Pater Louis, der mein Vater wurde, weil Gott mir die


