Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1838)
Entstehung
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Seit ich hier bin, hat die Algarova zwölfmal geblüht, und im Walde erinnere ich mich, ſie dreimal in der Blume geſehen zu haben.

Im Walde, Kind?

Ich bin darin geboren, Herr, ein wildes Kind, von Wilden.

Ja, wild biſt Du, meine Ines. Wie Du auf dem ſchnaubenden Pferde daherſprengteſt, und an mir vorüber⸗ jagteſt;... mir bangte für Dich.

Ines lachte.Seyd ruhig; ſagte ſie:ich halte mich feſt, und das Pferd, das eine Mähne trägt, wirft mich nicht ab. Meine Landsleute ſind für's Pferd geboren.

Deine Landsleute?

Ja; die Abiponer, Herr! Der Vater ſetzte mich ſtets vorn auf ſeines Thieres Hals, und auch die Mutter ſaß zu Pferde. Ich entſinne mich deſſen noch gar wohl. Vie ich von meinem Volke kam, iſt mir viel dunkler geblieben. Ich ſchlief, Herr. Neben der Mutter ſchlief ich auf der Matte, und es war alles Nacht und dunkel um uns her, als wir uns niederlegten. Es waren viele Leute und viele Pferde⸗ die um uns her im Kreiſe ſtanden, und die Feuer ließ man ausgehen, weil die Sterne ſo herrlich am Himmel glitzer⸗ ten. Das weiß ich noch gar gut; denn nimmer habe ich ſeither einen ſo großen, weitgeſpannten Himmel geſehen, wie dazumal. Wir ſchliefen alſo, und mit einemmale donnerte es, daß ich hell aufwachte. Ich ſah recht vieles um mich her: Feuer und Dampf; Blitze und Reiter. Die Mutter war auch zu Pferde, und ich hing an einem Sacke von Fellen an ihrem Sattel hernieder. Das Pferd rannte fort, und plötzlich... wachte ich wieder auf, und ſah nicht mehr das