ihr Ohr.— Entſchloſſen ſtößt ſie die Thüre auf. Juſtine richtet ſich eben hinter derſelben aus einer Ohnmacht auf. Lainez fühlt das heftigſte Mitleid für die Geiſterbleiche. Ohne Rath, ohne Hülfe, ohne Aufſicht, nur dem Angenblicke und dem Triebe nach Freiheit gehorchend, unterſtützt ſie die Er⸗ mattete, führt ſie ſchnell hinab.. die Thüre klingt.. öffnet ſich Juſtine ſtürzt ins Freie, die Lainez folgt, ſperrt wieder vorſichtig die Pforte, und der Wagen rollt, da wir weiße Gewänder durch die Finſterniß ſahen, ge⸗ ſchwinde herbei.—„Das ſind zwei Damen?“ flüſtert mir der Kapitän zu;„ich hatte aber nur Augen für Juſtine, die ſich, wie ein Kind, vertraulich auf meine Schulter ſtützte, als ich ſie in den Wagen hob. Die Lainez, unwiſſend und über dieſe Vorbereitungen verwundert, folgte nicht minder. Der Kapitän bedeckte die ſchönen Flüchtigen mit ſeinem wei⸗ chen Mantel, befahl dem Reiter auf dem Bocke, ſcharf zu fahren, und behielt mich neben ſich auf dem Rückſtze.— „Du begleiteſt mich zur erſten Station;“ ſagte er:„von dort kehrſt Du mit dem Wagen zurück, und ich bringe die Damen noch eine Strecke weiter, erwarte Dich mit meinem Pferde. Ich werde Dir Nachricht hinterlaſſen.“— Nun fühlte ich erft die Schwere der Subordination. Es galt aber Juſtine, und ich ſchwieg geduldig. Ohne Aufenthalt gelangten wir unterm Schutze des Kapitäns durch das Thor, und fuhren ſtracklich weg. Die Damen ſchliefen oder ſtellten ſich ſchlafend. Wir ſprachen nur abgeriſſene Worte. Noch war der Tag nicht angebrochen, als wir hielten. Ein elendes Wirthshaus nahm uns auf. Hier ſollte gefrühſtückt werden. Hier löste ſich Alles. Die Lampe des Wirths beleuchtete unſere Züge.—„Alle Donner!“ rief der Kapitän:„iſt das nicht Madame Lainez?“
Teil eines Werkes
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1838)
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


